Deutsche Spätburgunder auf dem Vormarsch

VINOA Wein Magazin // 18.02.2016 // Deutsche Spätburgunder auf dem Vormarsch

Ein Bordeauxfan trinkt keine Burgunder und ein Burgunderfan trinkt keine Bordelaiser. So in etwa teilt sich die Welt der internationalen Rotweintrinker mit Anspruch. Und was machen wir Deutschen? Wir trinken am liebsten Rotes aus der Toskana oder Spanien, weil der Urlaub da immer so schön ist und die Marktpreise niedriger. Außerdem denkt mancher deutsche „Durchschnittsweinwisser“, er trinke Brunello di Montalcino, wenn er am Ende des Abends lediglich einen Montepulciano bezahlt. Na wenigstens kommen beide Weine aus Bella Italia. Rioja Reserva gibt es seit Jahrzehnten beim Discounter für den Preis eines Pfundes Bohnenkaffees. Also alles mal wieder eine Frage des Preises.

Spätburgunder aus Deutschland

Noch wachsen hierzulande aber weder Sangiovese, noch Tempranillo, eigentlich keine der Sommerferiensorten. Das birgt zunächst mal keinen Nachteil für die hiesige Weinwelt, denn, und jetzt kommt’s, Klima und Böden der Bundesrepublik eignen sich teilweise mehr als hervorragend zur Kultivierung bestimmter roter Rebsorten. Allen voran und zwar mit Abstand, gefällt es einer Varietät (=Sorte) hier ganz besonders. Die Rede ist von der Maria Callas unter den Rebsorten: dem Spätburgunder oder Pinot Noir (sprich: Pienó Noah), wie er vom Elsass kommend südwärts genannt wird. Diese Diva wächst bei weitem nicht überall. Die Rebe mag warme Tage, kühle Nächte und dann sind da noch mindestens 340 andere Umstände, welche die Idealgegebenheiten für den Anbau von Spätburgunder weltweit extrem eingrenzen.

Ein Wein, der in seiner Herstellung die wohl höchsten Anforderungen an Mensch und Mutter Natur überhaupt stellt, kostet… falsch! ...WENIGER, zumindest in Deutschland. Vor allem sind hiesige Spätburgunder oft günstiger als die eingangs angesprochenen roten Burgunder von der Côte d’Or, dem französischen Camelot für Pinot Noir. Die Jungs in Bordeaux sind und bleiben parallel die übelsten Preistreiber im Weinbusiness und überhaupt schmecken ihre Weine seit fünfzehn Jahren eher nach Depardieu als wie früher nach Delon.

Wenn Geiz in Deutschland also geil bleibt, man aber trotzdem ein geistig anregendes Qualitätsprodukt im Glas haben möchte und es während des letzten Spanienurlaubs ohnehin nur geregnet hat, kommt man um den deutschen Pinot gar nicht herum. Über die eine Sache haben wir leider noch nicht gesprochen. Mancher Pinot duftet verführerisch nach Bordell und in der Farbe erscheint er mitunter auch eher kurzweilig. Wenn diese Äußerlichkeiten abschrecken, hört einfach auf zu lesen.

Benedikt Baltes, Weingut Klingenberg

Benedikt Baltes, Weingut Klingenberg

Spätburgunder vom Weingut Klingenberg, Franken

Dass Benedikt Baltes sogar das Holz für seine Fässer vor Ort im heimischen Forst aussucht, beschreibt anschaulich, wie der Mann die Nummer mit seinen Spätburgundern so angeht. Circa ein Meter neunzig hoch ist er, eins zehn breite Schultern hat er und kümmert sich auf schlicht hinreißende Art um seine kapriziösen Reben im Churfränkischen Klingenberg. Naturnah und trotzdem entlang den Statuten des VDPs (VDP-Mitglieder sind die deutschen Winzer mit dem streng aussehenden Adler auf den Kapseln), hat sich Benny Baltes in die Munde der Pinotfreaks gewinzert.

Wenn ihr seinen Ortswein, Baujahr 2013, als überhaupt ersten Spätburgunder eures Lebens und mit der richtigen Temperatur (16 Grad Celsius) genießt, solltet ihr automatisch hingerissen sein. Er zeigt sich zart, dennoch mit prägnanter Säure, enorm vielschichtiger Fruchtigkeit am Gaumen und mit einem differenziert-exotischen Duft, wie ihn so kein anderer Winzer im Fränkischen seinen Beeren entlockt. Zudem wird das alles von einer gewissen erdigen Ernsthaftigkeit unterfangen – neudeutsch Bilderbuch-Burgunder genannt.

Ein R auf seinen Etiketten bezeichnet Baltes‘ Selektion des jeweiligen Weines und bringt allgemein ein deutliches Mehr in die Nase, ins Glas und an den Gaumen. Sein Großes Gewächs, der Klingenberg Schlossberg, potenziert die geschilderten Eindrücke noch um ein Vielfaches. Er fordert aber eine Mischung aus Geduld beim Trinker und Raum im Dekanter. Zwei bis drei Flaschen pro Suff-Saison während der nächsten Dekade wäre hier die richtige Strategie.

Seine Großformate, besonders mit dem Zusatz R oder GG auf dem Etikett werden, Hand aufs Herz, in wiederum spätestens zehn Jahren gesuchte Sammlerobjekte sein, schmecken aber drei bis sechs Trinkern schon heute prächtig. Wenn ihr den Weinen des Gutes Stadt Klingenberg ein französisches Pendant zur Seite stellen möchten, um zu erleben, wie viele Moneten ihr gespart habt, weil ihr euch für einen deutschen Spätburgunder entschieden habt, gönnt euch sich parallel einen Bonnes-Mares oder einen Chambertin-Clos de Beze. Sparsamkeit kann so viel Freude machen…und dabei so feinsinnig sein.

Welcher ist dein Favorit vom Weingut Klingenberg? Oder hast du einen ganz anderen Spätburgunder-Geheimtipp aus unseren Breiten? Wir sind gespannt!

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