Franciacorta – dieser Jüngling lässt Champagner alt aussehen

VINOA Wein Magazin // 22.03.2016 // Franciacorta – dieser Jüngling lässt Champagner alt aussehen

Es ist so weit! Öffnet die Fenster und Türen und begrüßt die ersten wohlig-warmen Sonnenstrahlen des Jahres. Spürt das leichte Kribbeln und das helle Licht, das sich endlich durch die trübgrauen Wolken direkt auf eure Nasenspitze gekämpft hat. Und wenn ihr dort schon mal so steht, dann könnt ihr auch gleich Ausschau nach ein bisschen Veränderung für euer Weinregal halten. Und die Chancen stehen gut, denn: There’s a new kid on the block! Und keine Angst – was da so spritzig-blubbernd durch die Feinkostquartiere zieht, sucht lediglich den Weg in eure langstieligen Gläser.

Das "new kid" ist nämlich äußerst feinperlig, hört auf den klangvollen Namen Franciacorta und ist Italiens Antwort auf den französischen Platzhirsch aus der Champagne. Und wer hier an einen unausgereiften, vielleicht etwas zu lauten und ohne Manieren ausgestatteten Vertreter der Schaumweinkunst denkt, dem sei gesagt, dass Franciacorta trotz seines munteren, juvenilen Wesens ein vornehmer − und vor allem feinfühliger − Repräsentant seiner Art ist. Weder trägt er die doch etwas süß-klebrige Zuckerkeule des äußerst quirligen Spumante mit sich herum, noch besitzt er diese leicht blasierte Attitüde seines französischen, alteingesessenen Artgenossen, der bisher das Revier der Schaumweine unangefochten regierte.

Franciacorta: Jugendliche Frische trifft auf vornehme Herkunft

Natürlich kann Franciacorta nicht auf eine jahrhundertealte Tradition zurückblicken, wird er doch erst seit rund 50 Jahren in der gleichnamigen Region rund um den Lago d’Iseo hergestellt, doch diese Selbstgefälligkeit liegt dem feinen Gemüt des Norditalieners sowieso fern. Völlig unprätentiös trägt der Franciacorta das durchaus luxuriöse Erbe seiner Herkunft mit sich. In der hügeligen, sonnenverwöhnten Landschaft der Lombardei, wo sich die vielen Weinberge in die Täler schmiegen, wuchsen einst auch zahlreiche Maulbeerbäume, die essentiell für die Produktion von Seide waren. Und genauso arbeitsintensiv wie die Herstellung einer seidenen Bluse gestaltet sich auch der Gärprozess des Franciacorta, denn damit ein Wein das gewisse Prickeln erhält, sind  einige Arbeitsschritte vonnöten. Und auch wenn man es ihm nicht anschmeckt, der Franciacorta hat eine strenge Erziehung genossen. Ausschließlich Chardonnay-, Pinot Nero- und Pinot Bianco-Trauben dürfen für ihn verwendet werden und seine Cuvée muss mindestens 18 Monate auf der Hefe bleiben. Anschließend werden die Flaschen über einen Zeitraum von drei bis vier Monaten „gerüttelt“. Und das von vielen Produzenten noch selbsttätig und per Hand. Jeden Tag werden dabei die Flaschen behutsam um genau ein Achtel gedreht. Ja, anstelle textilen Luxus’ ist in Franciacorta die Produktion edler Perlage getreten. Und genauso anschmiegsam wie Seide auf unsere Haut legt sich diese Feinperligkeit auf die Zungen seiner Verkoster.

Weinpaket FranciacortaDie drei vorgestellten Franciacortas

Drei Franciacorta die man kennenlernen muss

Der 61 Satèn, Franciacorta DOCG aus dem Hause Berlucchi ist dabei so etwas wie der heimliche An- und Verführer unserer schaumweinigen Rasselbande. Denn auch wenn sich alle Franciacortas mit einer angenehmen Perlage auszeichnen, so ist die Kategorie ‚Satèn‘ ein Hinweis darauf, dass es sich hier um einen ganz besonders seidigen Charmeur handelt. Zartes Pfirsischaroma und leichte Noten von Mandeln und Brioche packen uns sanft bei der Nase und die langanhaltende, mineralische Frische vollendet diesen eleganten, aber klaren Trinkgenuss. Die zurückhaltende Kohlensäure macht diesen Franciacorta zu einem wunderbaren Begleiter von Vorspeisen und leichten Fischgerichten.

Auf dem Ca'al del Bosch-Weingut gibt es eine Art Spa für Reben. Hier tauchen die Trauben vor ihrer Verarbeitung in mehrere intensive Wasser- und Zitronenbäder, um auch ja die letzten Rückstände zu entfernen. Die Chardonnay-, Pinot Nero- und Pinot Bianco-Reben werden hier von vorne bis hinten verwöhnt, das steht fest. Doch sie danken es mit einem überwältigenden Pfirsich- und Apfelaroma, einer fein abgestimmten Säure und einer weichen Perlage. Angenehm trocken präsentiert sich die Cuvée Prestige, Brut, Franciacorta DOCG und überrascht mit einer leichten Frische, die sie  zu einem hervorragenden Aperitif macht.

Der Franciacorta Brut DOCG Majolini ist der Ruhepol in unserer prickelnden Gruppe vorzüglicher Schaumweine. Sanft macht er es sich mit seinen angenehmen Aromen von weißen Blüten und warmer, eindringlicher Vanille in unserem Gaumen gemütlich. Die deutlichen Anklänge von Hefe geben ihm einen weichen, vollmundigen Touch, ohne jedoch zu langweilen. Pfirsichnoten sorgen für die nötige, saftige Frische und Fruchtigkeit, die sich wunderbar als Aperitif, aber auch zu Fisch, Krustentieren und Pasta eignen.

Ein Geheimtipp, der keiner bleiben sollte

Eine Schande also, dass sich Franciacorta bisher überwiegend noch auf die Zungen italienischer Mundart legt und sich eher als Geheimtipp in deutschen Quartieren zeigt. Wir finden, das sollte sich schnellstens ändern. Und da ihr euer Fenster ja sowieso gerade offen habt und die Sonnenstrahlen hereinlasst, wieso nicht auch unser Dreierset der schaumweinigen Rasselbande. Wir sind uns sicher, dass aus dem “new kid” wahrscheinlich schon sehr bald auch in eurer Nachbarschaft ein selbstverständlicher – und gern gesehener – Besucher werden wird.

Erfahrt hier mehr über das Franciacorta-Set! 

Unsere persönliche Lieblingskombination ist übrigens der Franciacorta Brut DOCG Majolini in Gesellschaft einer aromatischen Pasta-Kreation aus Kapern und Sardellen, die wir euch in diesem Rezept vorstellen wollen:

Scamarro PastaScamarro: Pastagericht mit Sardellen und schwarzen Oliven

Scamarro

Zubereitungszeit: 30 Minuten

Zutaten (für 2 Personen):

  • 320g Spaghetti
  • 1 kleine Knoblauchzehe
  • 16 geputzte, gesalzene Sardellen
  • 24 schwarze Oliven
  • Colatura di Alici di Cetara (Würzsauce aus Sardellen)
  • Kapern
  • Semmelbrösel
  • Petersilie
  • Extra natives Olivenöl
  • Salz nach Belieben
  • 4 kleine Formen

Schritt 1: In einer Bratpfanne eine Knoblauchzehe mit ein wenig Olivenöl goldbraun anbraten, dann herausnehmen. Darauf achten, dass das Öl nicht überhitzt, da es sonst eine leicht bittere Note annimmt. Anschließend die Sardellen, eine Kelle Wasser, Oliven und Kapern hinzufügen.

Schritt 2: Die entstandene Sauce leicht simmern lassen und gelegentlich umrühren. Die Sauce je nach Geschmack vorsichtig mit Salz und Pfeffer würzen. Separat die Spaghetti al dente kochen und in der Pfanne mit ein wenig Colatura abschmecken. Auch hier ist ein wenig Augenmaß gefragt, damit die ganze Angelegenheit nicht zu salzig wird.

Schritt 3: Bestreichen Sie nun die Formen mit Öl und geben einige Semmelbrösel hinein, fügen Sie die Spaghetti hinzu und gare Sie sie im Ofen bei 200°C circa 10 Minuten fertig. Die Spaghetti erhalten dadurch eine einzigartige Knusprigkeit, die eher untypisch für Nudelgerichte ist. Zum Schluss mit den Sardellen und einer Prise frischer Petersilie auf dem Teller garnieren.

Wir wünschen guten Appetit!

Hast du den prickelnden Franciacorta schon genossen? Wie hat er dir geschmeckt? Wir freuen uns auf deinen Kommentar!

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Bildquellen:
Frank Bauer: http://frankbauer.com/contact 

 

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