Interview: Christian Ehrlich, Winzer und Inhaber der Weinmanufaktur 3 Zeilen

VINOA Wein Magazin // 21.09.2016 // Interview: Christian Ehrlich, Winzer und Inhaber der Weinmanufaktur 3 Zeilen

In einer 10-teiligen Interviewreihe blickt VINOA hinter die Kulissen des Winzerdaseins! Lerne spannende Persönlichkeiten kennen und erfahre was unsere Gesprächspartner aus der Weinwelt antreibt. Wenn auch du dich schon einmal gefragt hast: "Was macht ein Winzer eigentlich den ganzen Tag?", dann erhältst du in den nächsten Wochen spannende Antworten. Heute an der Reihe: Christian Ehrlich, Winzer und Inhaber der Weinmanufaktur 3 Zeilen.

Christian Ehrlich ist mit seinen 2,04 m einer der ganz Großen im Winzerhandwerk. Seine Manufaktur, die er gemeinsam mit Ehefrau Alexandra betreibt, läuft ausschließlich im Nebenerwerb und dies soll es auch weiterhin so bleiben. Was es mit den "3 Zeilen" auf sich hat, wieso für ihn nur "bio" geht und weshalb eine Jungwinzerregelung ihm zur hervorragenden Lage Rödelsee im Franken verhalf, dies alles und so einiges mehr hat Christian Ehrlich im Interview verraten.

Christian Ehrlich, Weinmanufaktur 3 Zeilen Steckbrief

VINOA: Herr Ehrlich, Sie waren vor einiger Zeit hier in Hamburg zur Veranstaltung „Franken unpolished“ im Witwenball eingeladen. Wie verlief der Abend und in welcher Funktion waren Sie dort?

Christian Ehrlich: Die Einladung kam durch meinen Winzerkollegen Thomas Plackner zustande, der seine Weine auch im Witwenball gelistet hat. Er hat auch den näheren Kontakt nach Hamburg. Er wollte ein Weinmenü im Witwenball machen, aber sein Portfolio, mit aktuell vier Weinen, hätte noch nicht ganz für solch’ einen Abend gereicht. So kam dann die Überlegung bei Thomas auf, mit mir gemeinsam den Abend dort zu veranstalten. Zu dem Zeitpunkt waren wir auch mit einem Wein dort gelistet. Solche Angebote nimmt man natürlich gerne wahr. Der Witwenball ist eine sehr gute Location was Wein angeht und hat einen weitreichenden Bekanntheitsgrad. Die Vermarktung unserer Weine im Raum Hamburg ist bisher relativ gering, deshalb habe ich die Einladung natürlich gerne angenommen.

Zum Abend selbst ist zu sagen: Wir haben ein Weinmenü für die Gäste abgehalten. Darüber hinaus gab es unsere Weine im offenen Ausschank, das heißt wir sind zu den Leuten an den Tisch gegangen. Wir haben die Weine erklärt, Smalltalk geführt, erzählt wo die Weine herkommen und wie sie entstanden sind.

Wir sind ja immer noch im Betriebsaufbau, auch wenn er schon seit 9 Jahren besteht. Trotzdem ist die Weinbranche sehr hart umkämpft, also der Weinmarkt und man muss wirklich schauen, dass man immer wieder den Leuten ins Gedächtnis gerufen wird. Da sag man natürlich: „Okay, Großstadt, Hamburg – da sind wir dabei!“ Etwas anderes wäre es gewesen, wenn es die 7. oder 8. Veranstaltung in Würzburg gewesen wäre, da überlegt man schon. Primäre geht es ja auch darum, neue Leute kennenzulernen und ihnen seine Philosophie ein Stück weit näher zu bringen.

VINOA: Sie machen das Ganze ja im Nebenerwerb. Für so eine Veranstaltung müssen Sie sich gezielt frei nehmen vom Hauptberuf. Das lässt mich schlussfolgern, dass sie schon genau überlegen müssen, für welche Veranstaltung Sie Urlaubstage nehmen.

Ehrlich: Der Witwenballabend war passenderweise ein an einem Feiertag. Ich komme ja aus Bayern. Also Bayern dürfen wir ja nicht sagen (lacht), wenn dann sind wir ja Franken. Wir kämpfen immer noch für eine autonome Region. Das wird auch langsam mal Zeit, aber wir werden es nie durchkriegen, weil sonst die Bayern ihr stärkstes Zugpferd hergeben müssten.

Natürlich ist Norddeutschland ein interessanter Markt, hier sind sehr viele Weintrinker. Von uns ist es ziemlich weit entfernt. Ähnlich lange Strecke, als würde ich nach Südtirol fahren. Man ist zeitlich immer sehr eingebunden, aber für solche Themen versucht man die nötige Zeit einzuräumen.

Alexandra und Christian Ehrlich, Weinmanufaktur 3 Zeilen

Anders...Ehrlich! Nebenerwerbswinzer Christian Ehrlich und Ehefrau Alexandra widmen sich in ihrer Freizeit voll und ganz ihrem Weinberg.

VINOA: Mit 3 Rebzeilen fing alles an. So steht es zumindest überall geschrieben. Wie sind Sie überhaupt zum Winzersein gekommen?

Ehrlich: Wir sind in gewisser Hinsicht Quereinsteiger, weil wir weder Weinberge, noch Land, noch ein Hofgebäude hatten. Sie können sich vorstellen, wir haben ein 1-Familienhaus aus den 70er Jahren mit einer Garage nebendran.

Mit fünf Jahren kam dann irgendwann die Fragen auf: „Was mach‘ ich mal beruflich?“ Nun habe ich mich schon immer gern vor der Abluft der Kellereien aufgehalten, mich während der Lese in die Gäraromatiken „eingeschnuppert“. Das hat mich fasziniert: „Das riecht so gut. Was entsteht da? Wie funktioniert das?“ Mit 15 habe ich dann eine traditionelle Weinküferausbildung begonnen. Das ist der Geselle vom Kellermeister. Danach war ich in Südtirol als Kellermeister und bin dort erst so richtig mit dem Weinvirus infiziert worden. Man hat dann auch schon Lust etwas Eigenes zu machen.

Ein Geschäftspartner von meinem Vater hat hinter seinem Haus 3 Zeilen gehabt. Der sagte dann: „Mensch, dein Junge hat doch irgendwas mit Wein gelernt und der könnte das doch ein bisschen machen, den kleinen Weinberg!“ Das habe ich dann auch gemacht. Hat sensationelle 50 Flaschen gegeben. Die wurden dann in meinem Freundeskreis auf die Probe gestellt und ziemlich schnell dezimiert. Wir haben dann festgestellt, dass es echt Spaß macht eigenen Wein herzustellen. Wir haben uns anschließend entschieden weiter zu machen.

So kam der erste Weinberg ins Spiel. Ein über 40 Jahre alter Bacchus-Weinberg, ganz alte Reben, ganz niedrig. Also eher nicht für mich gemacht. Mit meinen 2,04 m bei einer Zeilenhöhe von 1,40 m ist es sehr mühsam. Ich bin froh, eine Schwester zu haben die etwas kleiner ist, die konnte das dann machen. Wir hatten natürlich schon ein breiteres Sortiment. Dies war durch den Zukauf von Ökotrauben von befreundeten Winzern möglich.

VINOA: Und wie ging es dann weiter?

Ehrlich: Es gibt eine Regelung, dass jeder Jungwinzer bis 40 Jahre einen Hektar Pflanzrecht umsonst bekommt. Man darf natürlich nicht irgendwelche Flächen nehmen, sondern ich benötigte ein Pflanzrecht des Staates, das im Endeffekt regelt, wo Weinberge stehen dürfen. Das habe ich wahrgenommen und somit das letzte Stück Brachland in den Weinbergen in Rödelsee, wo wir herkommen, ergattert. Darauf lag aber kein Pflanzrecht und nur mit dieser Jungwinzerregelung wurde es praktisch bepflanzbar. Sonst wäre das schon längst weg gewesen, aber die anderen Winzer konnte damit nichts anfangen. Extra Pflanzrecht kaufen, das kann man zwar auch, aber wollte wohl keiner. Dort haben wir 1 Hektar komplett neu angelegt. Jedoch nicht wie üblich mit einer Rebsorte, sondern wir haben dort 14 Rebsorten stehen. Also quer durch die Bank: Weißweine, Rotweine, exotische Sorten – einfach um ein großes Portfolio zu haben. Wir haben ja nicht nur 3, 4 Weine, sondern für unsere kleine Betriebsgröße ein sehr breites Sortiment.

Mittlerweile haben wir nun nochmal 0,6 Hektar dazu genommen. Wir sind jetzt knapp bei 2 Hektar, haben jetzt 130 Zeilen die wir bewirtschaften. Von 3 auf 130 ist zwar keine Kunst, aber das Ganze läuft ja immer noch im Nebenerwerb.

VINOA: Wie schaffen Sie den zeitlichen Spagat zwischen Hauptjob und eigenem Weinanbau?

Ehrlich: Ich sag mal, man muss schon ein bisschen verrückt sein, wenn man sowas anfängt. Die Selbstständigkeit, der Nebenerwerb in der Genussmittelbranche ist ziemlich schwierig. Man produziert etwas, was im Grunde genommen ja nur über den Geschmack geht, also muss es den Leuten auch schmecken. Man muss schon Mut haben und was noch dazu kommt, das Ganze ist ziemlich teuer! Andere nehmen einen Bausparvertrag und kaufen sich ein Haus, ich habe ihn genommen und eine Weinpresse und einen Schlepper gekauft.

Zeit ist bei mir immer knapp. Ich komme von der Arbeit und gehe dann wieder auf Arbeit – sag‘ ich immer. Wir haben natürlich auch nicht durchgängig gleich viel Arbeit. Der Winter ist ja eher ruhig, da ruht es draußen in den Reben und wenn die Gärung gelaufen ist, hat man im Keller auch wieder Luft. Dann erholt man sich erstmal ein bisschen vom Jahr. Im Frühjahr und Sommer läuft man schon am Limit.

VINOA: Gibt es manchmal Momente in denen Sie sich in Erinnerung rufen müssen, warum Sie das überhaupt alles machen? Wie wichtig ist Eigenmotivation in zähen Phasen?

Ehrlich: Sicherlich gibt es immer Rückschläge. 2011 hatten wir Frost, wo du dann rausgehst in deine Weinberge und alles ist erfroren. Das sind solche Momente in denen du denkst: „Mensch, am besten schmeiße ich alles hin, gehe wieder regulär zur Arbeit, danach habe ich Feierabend und dann ist gut!“

Aber wenn du dann mit Kundschaft deine Weine verkostest und merkst, dass die Leute von dem Produkt begeistert sind und dir schmeckt es selber auch gut, dann ist es genug Lohn um weiter zu machen! Es ist einfach das Schönste für einen Winzer, wenn der Wein gut ankommt und schmeckt. Die Freude die man mit seinem Produkt erzeugen kann, das gleicht am Ende auch alles aus. Ich kann an keinem Ort der Welt so gut abschalten – wie im Weinberg. Dort habe ich meine Ruhe, da klingelt kein Telefon, da redet mir keiner rein. Ich kann machen was ich möchte und habe meinen Kopf frei für meine Gedanken.

VINOA: Wie schätzen Sie sich selbst ein: sind Sie ein gelassenerer Typ oder oft gestresst?

Ehrlich: Manche sagen immer, sie funktionieren nur wenn sie Stress haben. Ich war am Anfang auch nicht gelassen. Ich habe mich sehr oft reingesteigert und habe mich sehr gestresst. Jetzt bin ich ein sehr gelassener Typ. Am Anfang hat mich immer alles verrückt gemacht und ich war schnell auf 180 und bin herumgelaufen wie das HB-Männle! Das habe ich alles abgelegt, weil ich gemerkt habe, am Ende bringt es dich auch nicht weiter.

VINOA: Würden Sie sagen, dass sich diese Gelassenheit auch in Ihrem Umgang mit den Trauben und dem Wein wiederspiegelt?

Ehrlich: Absolut. Zeit ist ein ganz wichtiger Faktor. Keine vorschnellen Entscheidungen treffen. Ich fahre damit ganz gut in den letzten Jahren. Ich habe selbst in Weingütern gearbeitet, wo es hektisch war und im Endeffekt hast du auch nicht mehr geschafft, außer, dass du dich seelisch aufgerieben hast.

Alexandra und Christian Ehrlich, Weinmanufaktur 3 Zeilen

Öko? – Logisch. Für Christian Ehrlich stand immer fest: Wenn ich was mach‘, dann öko!"

VINOA: Wie sieht es eigentlich mit dem Pflanzenschutz als Ökowinzer aus?

Ehrlich: Wir verzichten als Ökowinzer auf Herbizide, dies ist ein wichtiger Punkt. Wir verwenden hauptsächlich Kontaktmittel, d. h. alles was aufgetragen wird, wirkt nicht kurativ. Es gibt synthetische Pflanzenschutzmittel die gehen in die Traube rein und wirken dort wie Antibiotikum 14 Tage gegen Pilzkrankheiten. Für mich war von vornherein klar, wenn ich irgendwas in der Richtung mache, wird es „bio“ sein, weil ich einfach in solchen Betrieben war und gesehen habe wie es funktioniert.

Außerdem möchte man seiner Nachwelt was erhalten. Die konventionelle Landwirtschaft, nicht nur der Weinbau, ist so momentan nicht gut, davon bin ich überzeugt. Ich will der Nachwelt was erhalten, ich will meinen Körper erhalten. Für mich war klar, wenn ich was mach‘, dann öko! Wir spritzen zum Beispiel Sprühmolkepulver gegen Pilzkrankheiten. Molkepulver geht in die Großbäckereien oder eben als Pflanzenschutzmittel. Wir spritzen Backpulver. Man kann ins Werk fahren und dort wird für die Großbäckereien Backpulver abgefüllt, dann wechselt die das Etikett und es ist Pflanzenstärkungsmittel.

Es ist schon interessant was die Natur alles auf Lager hat und wie man sich damit behelfen kann. Nach jedem größeren Regen muss das Ganze erneuert werden. Dies ist der große Unterschied zwischen konventionellem und ökologischem Weinbau. Beim konventionellen Pflanzenschutz wird ein Schutzzeitraum von 12 Tagen garantiert. Diese Garantie hat der Ökowinzer nicht. Sollte es stark geregnet haben, muss er auch nach vielleicht schon 7 Tagen raus und den Schutz erneuern. Ich persönlich habe ein viel reineres Gewissen, wenn ich mit solchen Präparaten arbeite.

VINOA: Ihr Webauftritt – Homepage wie auch Facebook – lassen diesen Spirit klar erkennen. Wie streng „öko“ sind Sie persönlich?

Ehrlich: Man muss das Leben. Aber ich lauf’ jetzt nicht nur mit Korksandalen rum und habe Leinenhemden an. Das ist einfach meine Grundeinstellung. Ich hab’ jetzt zwei Töchter, für die mache ich das!

VINOA: Stichwort „Familie“ – wie schwer ist es, alles miteinander zu vereinbaren?

Ehrlich: Geht alles. Ich sage mal, so lange die Kinder noch ziemlich klein sind, ist es natürlich immer noch eher die Aufgabe meiner Frau sich um die Kids zu kümmern. Im Winter holt der Papa die Fehlstunden wieder auf! Im Sommer müssen sich die Kinder daran gewöhnen, auch die Frau, dass der Mann selten zu Hause ist. Hat man einen gewissen Qualitätsanspruch, muss man auch öfter raus in den Weinberg gehen. Du kannst natürlich auch sagen: „Wir ernten große Mengen mit minderer Qualität.“, dann ist man nicht oft im Weinberg. Das ist nicht meine Arbeitsweise. Ein alter Spruch sagt: „Der Weinberg will jeden Tag seinen Herren sehen!“

VINOA: Für wen sind Ihre Weine geeignet und wer sollte lieber die Finger davon lassen?

Ehrlich: Also ich sage jedem Alkoholiker er soll die Finger von meinem Wein lassen (lacht), weil ich das einfach „Perlen vor die Säue werfen“ finde. Ich möchte die Person auch schützen. Nun aber Spaß beiseite. Ich produziere Weine für anspruchsvolle Weintrinker. Da ich keine großen Menge produziere, sind meine Weine sehr hochwertig. Die Wertschätzung hierfür sollte seitens des Kunden vorhanden sein.

Grundsätzlich kann jeder meine Weine trinken, aber manchmal tut es schon weh, wenn man sieht: einer schüttet sich den jetzt nur rein. Ich habe zum Beispiel einen Kumpel aus dem Allgäu, ein richtiger Allgäuer Käsebauer, der kommt oft und hilft mir. Der trinkt den Wein wie ein Bier und du denkst dir: „Mensch Ulli, ey! Ist ja schön, dass du den Silvaner aufreißt, da hätte es ja irgendwie ein anderer auch getan!“ Der macht aus einem 23-Euro-Wein halt auch eine Schorle, das juckt den nicht (lacht).

Erntehelfer der Weinmanufaktur 3 Zeilen, Franken

Links: Der fleißige Allgäuer Käsebauer Ulli, rechts: Bei der Lese gibt's tatkräftige Unterstützung von Freunden und Familie

VINOA: Wenn Ihr Silvaner ein Mensch wäre: was für ein Typ wäre er (Frau/Mann/Charakter)?

Ehrlich: Puh! Vielleicht wär‘s sogar ein Hybrid. Der Silvaner kann elegant sein wie eine Frau, ist aber genauso kräftig und nachhaltig wie ein Mann. Ich würde ihn jetzt mal als Allrounder bezeichnen. Unser Bacchus zum Beispiel ist ganz klar die Diva! Manchmal zickig, aber gut. Frisch, fruchtig – ganz anderes als man sonst den Bacchus von anderen Weingütern kennt.

VINOA: Was fällt Ihnen zu der Begrifflichkeit: Konventionen im Weinbau ein? Was halten Sie davon?

Ehrlich: Das geht mir alles irgendwo vorbei. Also ich habe mich noch nie nach irgendjemanden gerichtet, ich mache nur das was mir gefällt. Ich mache alles ein bisschen anders. Das macht es vielleicht aber auch aus, dass man andere Weine produziert als der Rest! Es nützt ja nix, wenn du dich nicht abgrenzen kannst. Was nützt es dir in diesem großen Pool mit zu schwimmen und es schmeckt alles gleich? Wenn Sie vom Norden aus losfahren bis in den Süden und probieren in jedem Weingut den einfachsten Silvaner, werden Sie spätestens nach der Hälfte – auch wenn Sie kein Profi sind – feststellen, dass alles irgendwie gleich schmeckt. So eine gewisse Uniformität drin ist – das haben meine Weine nicht.

Meine Wein schmecken eigentlich jedes Jahr ein bisschen anders, weil sie auch jedes Jahr anders gemacht werden. Sie sind zwar vom Grund her gleich, aber ob jetzt die Gärung 21 Grad warm wird oder 23 Grad, macht wahnsinnig viel Unterschied in Bezug auf den Geschmack. Das beeinflusse ich aber eben überhaupt nicht, ich lasse die Weine einfach machen. Man kann natürlich sehr viel Lehrgeld bezahlen, das kann gut gehen, es kann aber auch voll nach hinten losgehen.

VINOA: Das bedeutet also, wenn ich den neuen Jahrgang einer Ihrer Weine probiere, wird er wahrscheinlich anders schmecken als im vorherigen Jahr?

Ehrlich: Sie werden natürlich immer meine Handschrift merken. Diese Stilistik zieht sich von unserem Einstiegswein, dem Johanniter, bis zum Reserve konsistent durch. Es ist auch gut, wenn man erkannt wird. Dies ist eben nicht gegeben, wenn man viel mit Reinzuchthefe macht. Mit Reinzuchthefe gibst du eine Hefe vor die zum Beispiel verspricht: „wunderbar blumig, frisch und fruchtig“, und bei 8 Gramm Restzucker beendet man das Gären.

Mit der Spontangärung, also der Wildhefegärung, ist es so wie mit einem stehengelassenen Apfelsaft. Irgendwann fängt das Gären an, genauso ist es mit dem Wein im Endeffekt auch. Bleibt halt alles spannend, aber auch total risikobehaftet. Das ist ein 50-50-Chance, geht es gut oder nicht. Im schlimmsten Fall produziert er flüchtige Säure, also Essigsäure, dann schmeckt und riecht er nach Essig und ist nicht mehr verkehrsfähig. Das kann sich so ein kleiner Betrieb, wie ich es bin noch leisten, aber ein Großbetrieb mit einem 10.000-Liter-Tank, da stehen dann eine ganz andere Verlustzahlen. Ich verkrafte sowas eher, beziehungsweise bei mir funktioniert es. Ich fahre natürlich auch mal raus zum Brenner, aber bis jetzt hält es sich in Grenzen: 200 – 300 Liter, für die letzten 10 Jahre ist das ein guter Schnitt.

Man lernt damit umzugehen. Also ich bin in der Weinlese jeden Tag im Keller, probiere meinen Most, probiere meine Jungweine und schaue, ob es in die richtige Richtung geht.

VINOA: Beschreiben Sie mit wenigen Worten: sich persönlich, sich als Winzer und ihre Weine.

Ehrlich: Ich persönlich bin unkompliziert, gelassen und ich denk‘ mit mir kann man es ganz gut aushalten. Als Winzer bin unkonventionell und ein Querdenker. Über meine Weine sage ich immer: „Ich produziere Weine die mir gut schmecken, sollten sie den anderen Leuten auch schmecken, soll es mir recht sein!“

Entdecken Sie jetzt die Weine von der Weinmanufaktur 3 Zeilen:

Bacchus von der Weinmanufaktur 3 Zeilen Blanc von der Weinmanufaktur 3 Zeilen Silvaner von der Weinmanufaktur 3 Zeilen

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Bildquellen:

Alle Bilder wurden freundlichst von der Weinmanufaktur 3 Zeilen zur Verfügung gestellt.

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