Interview: Dominic Stern, Winzer vom Weingut Stern

VINOA Wein Magazin // 27.07.2016 // Interview: Dominic Stern, Winzer vom Weingut Stern

In der 10-teiligen Interviewreihe blickt VINOA hinter die Kulissen des Winzerdaseins! Lerne spannende Persönlichkeiten kennen und erhalte teils private Einblicke in das Leben unserer Gesprächspartner. Hast du dicht auch schon einmal gefragt: "Was macht ein Winzer eigentlich den ganzen Tag?". Auf diese und viele weitere Fragen erhältst du in den nächsten Wochen spannende Antworten. Heute an der Reihe: Dominic Stern vom gleichnamigen Weingut Stern.  

Wohl nirgendwo in Deutschland wird der Wein so zelebriert wie hier. Diesen Eindruck hat man zumindest, wenn man einmal zu Gast auf einem der unzähligen Weinfeste an der Südlichen Weinstraße war. Der Landkreis Südliche Weinstraße liegt in mitten der Pfalz und zeichnet sich vor allem durch sein mediterranes Klima aus. Es blühen Feigen und Mandelbäume. Umgeben von Rebenmeeren liegt das kleine Weinörtchen Hochstadt. Dort war vinoa zu Gast und hat sich ein ganz besonderes Weingut etwas genauer angeschaut.

Das Weingut Stern wurde 1950 von Josef Stern gegründet. Heute wird das Weingut von dessen Sohn Wolfgang und Enkel Dominic Stern als Familienbetrieb in der dritten Generation erfolgreich weitergeführt. Für Erfolg sprechen nicht nur zufriedene Kunden, sondern auch verschiedenste Auszeichnungen und Preise von Gault & Millau, Eichelmann und Co.
Im Interview hat uns Dominic Stern erzählt, was sich seit der Gründung verändert hat und was es neben dem Weingut noch zu entdecken gibt.

Dominic Stern, Winzer vom Weingut Stern in der Pfalz

VINOA: Dominic, kannst du uns einen kleinen Einblick in die Anfänge eures Weinguts geben?

Dominic Stern: Ja, gerne. Mein Großvater Josef war von Beruf Holzküfer und hat Holzfässer zur Weinvergärung gebaut. Aus Liebe zum Wein hat er dann  mit meiner Großmutter Annelore begonnen die ersten 1,5 Hektar Land mit Weinreben zu bewirtschaften und die ersten Weine herzustellen. Anfang der 60er Jahre wurde unsere Brennerei eröffnet. Ein Familienbetrieb war es schon immer. Mein Vater Wolfgang hat das Weingut und die Brennerei schließlich in den 80ern übernommen. Heute bewirtschaften wir ca. 10 Hektar.

VINOA: Wie sieht die Aufgabenverteilung heute aus?

Stern: Meine Frau Anne-Sophie und meine Mutter Marita machen alles was mit Büro und Verkauf zu tun hat. Wolfgang steuert alles rund um die hauseigene Brennerei und ich kümmere mich um den An- und Ausbau. Unterstützung bekomme ich von zwei Festangestellten.

Familie Stern, Weingut Stern Familie Stern: v.l.n.r Tobias Stern, Dominic Stern mit Sohn Julius, Anne-Sophie Stern, Marita und Wolfgang Stern

VINOA: Kannst du An- und Ausbau etwas konkretisieren?

Stern: Nun ja, mit dem Anbau sind alle Tätigkeiten im Weinberg gemeint - ganz egal ob Ausdünnen der Weinreben oder die Weinlese selbst. Der Ausbau befasst sich mit der Vinifizierung im Keller.
Kurz: Ich tue alles von der Rebe bis zur Traube und von der Traube bis zur Flasche.

VINOA: Apropos Flasche, wie viele Weine gibt es von euch aktuell zu verkosten? Was gibt es noch bei euch zu entdecken?

Stern: Derzeit sind es 40 verschiedene Weine. 25 davon sind Weißweine.
Neben unseren Weinen produzieren wir auch verschiedene Brände. Darunter den „44 Star Gin Deluxe“. Darin enthalten sind 44 verschiedene Botanicals. Wachholder, Langpfeffer, Zitrusfrüchte,….die gesamte Rezeptur bleibt aber geheim. 
Ein Besuch Wert ist auch unsere Weinstube „Zum Sterne Sepp“, die nach meinem Großvater benannt wurde.

Weinstube "Zum Sterne Sepp", Weingut Stern Weinstube Zum Sterne Sepp“, Weingut Stern

VINOA: Kannst du uns etwas mehr über die Region verraten? Was zeichnet die Region aus und was bedeutet das für die Weinherstellung?

Stern: Wir haben hier ein mediterranes Klima. Die Region selbst wird deshalb oftmals als „die Toskana Deutschlands“ bezeichnet. Das Klima eignet sich im Gegensatz zu anderen Weinregionen sowohl für hochwertige Weiß- als auch für Rotweine.

Es ist weder zu kühl, noch zu warm. Die kühlen Nächte und warmen Tage begünstigen die Herstellung besonderer Weine. Bei zu kühlem Klima könnte man keine Rotweine herstellen. Zu warmes Klima würde den Säuregehalt der Weißweine negativ beeinflussen.

Der Boden ist ebenfalls ideal. Er besteht aus Löss und hat einen hohen Kalkgehalt, was gerade für die Burgundersorten Chardonnay, Weiß-, Grau- und Spätburgunder von Vorteil ist.

VINOA: Durch welche Maßnahmen kannst du die Qualität deiner Weine steigern?

Stern: Wir verwenden nur biologischen Dünger. Dazu kompostiere ich den Pferdemist selbst. Dieser wird nach dreijähriger Kompostierung mit Gesteinsmehl gemischt und dann in den Weinbergen ausgebracht.

Wichtig ist aber vor allem die Ertragsreduzierung. Seit 1950 haben wir die Erträge pro Hektar halbiert. So steigt die Qualität jeder einzelnen Traube.

VINOA: Welche Trends siehst du aktuell in der Weinherstellung?

Stern: Die Verwendung von Holzfässern ist derzeit ein Trend. Im Gegensatz zu Edelstahlfässern kann der Wein hier atmen. Dadurch reift er besser, wird vielschichtiger und es entwickeln sich bessere Aromen.

VINOA: Du hast für deine Weine bisher viele Auszeichnungen erhalten. Über welche Auszeichnungen hast du dich bisher am meisten gefreut?

Stern: Ich freue mich über jede Auszeichnung. Am meisten gefreut habe ich mich aber über das Resultat bei der Deutschen Sauvignon Blanc Trophy. Wir haben mit unserem Sauvignon Blanc Fumé 2014 mit 95 von 100 Punkten den zweiten Platz belegt. Bemerkenswert ist dabei, dass die ersten drei Plätze an Winzer aus der Pfalz gingen.

VINOA: Wie fühlt es sich an Winzer zu sein, was fasziniert dich am meisten an deinem Beruf?

Stern: Ich sehe darin einige Vorteile gegenüber gewöhnlichen Berufen. Zum einen ist die Arbeit sehr abwechslungsreich und ich habe die Möglichkeit meiner Kreativität bei der Herstellung eines Weines freien Lauf zu lassen. Zu dem liebe ich es in der Natur zu sein und man lernt immer wieder nette Menschen kennen.

VINOA: Was machst du denn, wenn du dich nicht gerade im Weinkeller aufhältst oder deiner Arbeit in den Weinbergen nachgehst?

Stern: Ich lasse mich inspirieren oder präsentiere unsere Weine und neuesten Kreationen auf verschiedenen Weinmessen. So komme ich immer wieder in Kontakt mit Weininteressierten und anderen Winzern.

VINOA: Was zeichnet für dich einen guten Wein aus?

Stern: Lagerfähigkeit und Balance zwischen Frucht, Fülle und Säure.

VINOA: Hast du einen hauseigenen Lieblingswein? Falls ja, was kannst du dazu empfehlen?

Stern: Am liebsten trinke ich unseren Silvaner Réserve. Das ist ein trockener Weißwein. Passt super zu gegrilltem Tintenfisch.

Verkaufsraum, Weingut Stern Verkaufsraum des Weinguts Stern

VINOA: Welche Weine mögen deine Kunden am meisten?

Stern: Unsere Rieslinge und Burgundersorten.

VINOA: Wodurch lässt du dich inspirieren, wenn du einen neuen Wein kreierst?

Stern: Vor allem vom Geschmack und weltweiten Top-Weinen. Gestern Abend habe ich dazu beispielsweise 23 Spitzenweine aus verschiedenen Jahrgängen, aus den besten Lagen der Mittelhaardt verkostet.

Wichtig ist für mich jedoch nichts zu kopieren, sondern meinen eigenen Stil weiterzuentwickeln.

VINOA: Welche internationalen Weine schmecken dir besonders? 

Stern: Besonders schätze ich die Weine aus den Regionen Burgund, Bordeaux und Champagne.

VINOA: Wenn du die freie Wahl hättest, mit wem würdest du gerne mal ein Glas Wein trinken und warum?

Stern: Ottmar Hitzfeld. Er ist ein Gewinnertyp. Er ist mir sympathisch, weil er als Fussballtrainer stets eine gute Menschenführung an den Tag gelegt hat. 

VINOA: Was hast du dir für die Zukunft mit dem Weingut vorgenommen?

Stern: Für die vierte Generation habe ich mit meiner Frau Anne-Sophie schon gesorgt. (lacht) Unser Sohn Julius ist nun 3 Jahre alt. Ob er in meine Fußstapfen treten möchte bleibt ihm aber frei überlassen.

VINOA: Welches Weingut an der Südlichen Weinstraße kannst du noch empfehlen?

Stern: Das Weingut Aloisiushof in Sankt Martin. Es wird von meinem Cousin Philipp Kiefer geführt. Mit ihm gestalte ich auch ein eigenes Projekt, namens Pinotimes. Wir stellen drei exklusive Burgunderweine her. Einen Pinot Noir, Pinot Blanc und Pinot Rosé Brut.

Pinotimes, Dominic Stern und Philipp Kiefer Gemeinsames Projekt Pinotimes: Dominic Stern und Cousin Philipp Kiefer

VINOA: Das klingt spannend, was hat es denn mit dem Projekt „Pinotimes“ auf sich und wie seid ihr darauf gekommen?

Stern: Die Idee zu dem Projekt kam uns beim Probieren unserer eigenen Pinot Noir. Dabei haben wir bemerkt, dass die Weine noch mehr Klasse bekommen, wenn man sie miteinander kombiniert. Die Weine werden vielschichtiger, varianten- und facettenreicher. Das hat uns einfach begeistert.

Die Weinberge meines Cousins Philipp in Sankt Martin gedeihen in reiner Kalksteinlage. Dadurch entstehen sehr mineralische Weine. Die Weine unseres Weinguts hingegen profitieren von kalkhaltigen Lößböden, wodurch sich sehr aromatische, dichte und aromatische Weine herstellen lassen. 

VINOA: Wie seid ihr auf den Namen für das Projekt und das Design gekommen?

Stern: Die Namensfindung geschah eher zufällig. Wir erinnerten uns an ein Liederbuch eines CD-Albums der Rockgruppe „Greenday“. Welches Album das genau war, weiß ich nicht mehr. (lacht) Die Aufmachung in Form eines Zeitungscovers hatte uns damals gut gefallen. In Anlehnung an die NewYork Times kam dann eins zum anderen. Aus Pinot Noir und NewYork Times wurde „Pinotimes“.

Entdecke jetzt die Weine vom Weingut Stern:

Weingut Stern Weißburgunder Weingut Stern Spätburgunder Weingut Stern St. Laurent

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Bildquellen:

Alle Bilder wurden freundlichst vom Weingut Stern zur Verfügung gestellt.

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