Interview: Felix Prinz zu Salm-Salm, Inhaber des Prinz zu Salm-Dalberg'schen Weinguts

VINOA Wein Magazin // 10.08.2016 // Interview: Felix Prinz zu Salm-Salm, Inhaber des Prinz zu Salm-Dalberg'schen Weinguts

In der 10-teiligen Interviewreihe blickt VINOA hinter die Kulissen des Winzerdaseins! Lerne spannende Persönlichkeiten kennen und erhalte teils private Einblicke in das Leben unserer Gesprächspartner. Hast du dich nicht auch schon einmal gefragt: "Was macht ein Winzer eigentlich den ganzen Tag?" Auf diese und viele weitere Fragen erhältst du in den nächsten Wochen spannende Antworten. Heute an der Reihe: Felix Prinz zu Salm-Salm vom Prinz zu Salm Dalberg'sches Weingut.

In 32. Generation wird das Prinz zu Salm-Dalbergsche Weingut nun bereits im Familienbesitz geführt. Damit ist es das älteste Weingut in Familienbesitz in ganz Deutschland. Vor wenigen Jahren hat nun der jüngste Sohn Felix das Weingut übernommen. In konsequent biologischer Produktion erzeugt er heute vor allem erstklassige Rieslinge aus großen und ersten Lagen. Im Gespräch mit VINOA erzählt er uns, wie er eine lange Tradition und moderne Anforderungen zusammenbringt, lässt uns in den ganz normalen Wahnsinn eines gewöhnlichen Arbeitstages eintauchen und berichtet uns von seinen Zielen für das Weingut.

Bei einem so wohlklingenden Namen wie „Prinz zu Salm-Dalberg'sches Weingut“ blühen sogleich Vorstellungen von Burgruinen umrankt von wilden Weinreben und Burgfräuleins auf zinnenbewehrten Türmen auf. Und tatsächlich befindet sich das Weingut in Wallhausen an der Nahe in mittelalterlichen Gemäuern.

Felix Prinz zu Salm-Salm, Winzer des Weinguts Prinz zu Salm-Dalberg

VINOA: Hallo Felix, mit Nachnamen heißt du ja Prinz zu Salm-Salm, wohnst du denn auch in einem richtigen Schloss?

Felix Prinz zu Salm-Salm: Früher habe ich tatsächlich in einem Schloss gewohnt, mittlerweile nicht mehr. Das Weingut befindet sich aber in einem Schloss in Wallhausen in der Nähe von Bad Kreuznach an der Nahe. Meine Eltern und mein Bruder wohnen dort.

VINOA: Du hast das Weingut vor kurzem übernommen, und reihst dich damit in eine ziemlich lange Tradition. War es für dich anfangs schwierig, die volle Verantwortung zu tragen?

Prinz zu Salm-Salm: Ich bin seit 2007 voll im Betrieb und seitdem für den Keller und die Weinberge verantwortlich. Und letztes Jahr im Juli 2015 habe ich den Betrieb überschrieben bekommen. Ich bin ja da reingewachsen. Habe 2007 angefangen, ohne dass es mir gehört hat und dadurch war das ein fließender Übergang. Wir sind das älteste Weingut in Familienbesitz. Seit dem Jahr 1200 leben wir hier und bauen Wein an. Ich bin jetzt die 32. Generation die das macht. Und schwierig - nein, das ist es nicht. Man will natürlich nicht die Generation sein, die das in den Sand setzt, das stimmt schon. Aber es bringt vor allem Freude, das Weingut zu führen.

Das Schloss Wallhausen – Sitz des Weingutes Prinz zu Salm-Dalberg Das Schloss Wallhausen – Sitz des Weingutes Prinz zu Salm-Dalberg

VINOA: Wie darf man sich dein Unternehmen vorstellen? Wie viele Mitarbeiter habt ihr? Wie groß ist das Weingut? Wie viel Wein produziert ihr jährlich?

Prinz zu Salm-Salm: Wir haben jetzt fünf feste Mitarbeiter und arbeiten dann noch mit slowakischen Aushilfskräften zusammen. Das sind dann je nach der Jahreszeit nochmal vier bis in der Weinlese zehn oder 15 Aushilfen. Wir machen mittlerweile 18 Hektar Weinberge, davon elf an der Nahe und sieben in Rheinhessen. Also sind wir in zwei Anbaugebieten zu Hause. Schon seit den 80er Jahren machen wir das alles 100% ökologisch und wir produzieren im Jahr ca. 100.000 bis 120.000 Flaschen. Von der Rebfläche sind 75% Riesling und der Rest ist mit Grauburgunder, Weißburgunder, Spätburgunder, Scheurebe und Merlot bestockt. Aber auf Riesling liegt natürlich unser Hauptfokus.

VINOA: Du warst anfangs für den Keller und die Weinberge zuständig. Was sind jetzt konkret deine Aufgaben? Was machst du im Tagesgeschäft über das Jahr hinweg?

Prinz zu Salm-Salm: Alles was das Weingut betrifft natürlich. Ich bin im Weinberg und sitze da auf dem Schlepper und bewirtschafte die Weinberge aber genauso arbeite ich auch im Keller, wo ich mit dem Ausbau der Weine beschäftigt bin. Also mein Tages- und auch der Jahresablauf ist sehr heterogen. Ich bin natürlich auch viel im Büro mit der Organisation beschäftigt, betreue die Kunden und bin auch unterwegs und verkaufe Weine, immer mal wieder auch im Ausland, in den USA zum Beispiel. Und ich bin eben deutschlandweit unterwegs bei Hotels, Gastronomen, Hausmessen und präsentiere dort unsere Weine. Im Prinzip decke ich wirklich alle Bereiche, die das Weingut betreffen, ab.

Die Brüder Felix und Constantin Prinz zu Salm-Salm mit dem Traktor, Prinz zu Salm-Dalbergsches Weingut Die Brüder Felix und Constantin Prinz zu Salm-Salm mit ihrem Traktor, Prinz zu Salm-Dalberg'sches Weingut

VINOA: Was würde einen Arbeitstag beispielsweise im Mai von einem Tag im Oktober bei der Weinlese unterscheiden?

Prinz zu Salm-Salm: Im Oktober bin ich tendenziell wirklich mit der Weinlese beschäftigt, da habe ich auch keine Termine außer Haus, sondern bin hier im Weingut und schaue, welche Weinberge wir als nächstes ernten, schaue, wie wir selektionieren. Ende Oktober sind dann meist schon die besten Lagen dran mit der Lese. Dort achten wir wirklich extrem penibel darauf, wann wir die Trauben ernten und wie sie selektiert werden. Und dann sind wir natürlich auch mit der Traubenverarbeitung beschäftigt, also damit, dass die Trauben in den Keller kommen. Da stellen sich so Fragen wie: Wie wollen wir diese Trauben verarbeiten? In welches Fass kommen sie? Dann die Gärkontrolle. Ende Oktober gibt es also auch viel Kellerarbeit.
Im Mai ist es so, dass die Weinpflanzen wachsen, und daher bin ich viel im Weinberg unterwegs mit den Traktoren. Ich schaue dass wir die Weinberge gut in Schuss halten. Da wird gegrubbert und gemulcht. Zudem kontrolliere ich die Arbeiten der Mannschaft. Dass die Arbeiten, die jetzt an der Reihe sind, gut vorangehen. Das reicht vom Ausbrechen über das Heften und die Qualitätsarbeiten, also es geht darum, dass wir nicht zu viele Triebe am Stock haben. Im Frühjahr gibt’s immer wieder auch Termine, die draußen stattfinden, also Weinproben oder unser Schlossfest am ersten Juniwochenende. Da sind wir natürlich auch mit den Vorbereitungen beschäftigt.

VINOA: Was für Weine produziert ihr aus den Weinbeeren?

Prinz zu Salm-Salm: Der Großteil ist trocken, ich sag mal 70% trocken und dann geht es die Qualitätspyramide entlang. Wir haben Gutsweine, das sind Weine, die die Rebsorten darstellen sollen, die für den täglichen Gebrauch sind, die gut zu trinken sind, die einfach Spaß machen sollen. Dazu gehören zum Beispiel die Weine der Linie "Der Salm" oder eben unsere Rebsortenweine. Dann haben wir die Terroirweine, wie den Grünschiefer Riesling oder den Riesling vom roten Schiefer. Die zeigen eher, was der Boden kann, also von welchem Terroir sie kommen. Und an der Spitze kommen die Lagenweine. Da wirds dann schon sehr speziell. Mit den Lagenweinen wollen wir den Charakter der Lage herausarbeiten, da wollen wir wirklich zeigen, was die Lage kann. Das kommt von unseren vier VDP.Großen Lagen und den drei VDP.Ersten Lagen. Dort wachsen unsere großen Gewächse und unsere Auslesen. Das sind Weine die man auch lange lagern kann, die noch deutlich gehaltvoller sind, die einen stärkeren Charakter haben. Das ist die Speerspitze unserer Produktion.

VINOA: Was macht denn eine große Lage aus? Was sind da die Kriterien?

Prinz zu Salm-Salm: Deutschland ist mit das nördlichste Weinanbaugebiet und da sind die Lagen eben von hoher Bedeutung. Zum einen auch wegen des Bodens. Riesling ist eine Rebsorte, die den Boden sehr stark widerspiegeln kann und deswegen ist der Boden sehr entscheidend, weil er wirklich einen erheblichen Einfluss auf den Geschmack des Weins und den Charakter des Weins hat. Und zum anderen ist es so, dass das bei uns alles Steillagen sind, weil dort die Sonneneinstrahlung höher ist und das sind von Alters her ganz begrenzte Lagen, die wirklich zur Spitze gehören. Die sind auch exakt abgegrenzt. Und nur aus den Toplagen kommen eben die Topweine und auch nur da wird der Lagenname aufs Etikett geschrieben.

Weinlese im Johannisberg, Prinz zu Salm-Dalbergsches Weingut Weinlese im Johannisberg, Prinz zu Salm-Dalberg'sches Weingut

VINOA: Wenn du deine Weine machst, gehst du dann auf Kritiker- und Kundenwünsche ein oder gehst du da ganz allein von dir selbst aus?

Prinz zu Salm-Salm: Das ist so ein bisschen eine Mischung. Ich schaue natürlich, welche Weine gut laufen, was gut schmeckt, was den Kunden Spaß macht. Ohne mich aber völlig abhängig davon zu machen, was die Kunden wollen. Ich will die Weine vor allem so machen, dass sie mir selbst Freude machen. Dabei merke ich auch, dass das, was mir und der Mannschaft hier Freude bereitet, dass das letztlich auch den Kunden Freude bereitet. Man muss ganz klar schauen, was passt zu uns. Deswegen sind wir auch auf über 70% Riesling gegangen. Riesling ist eben die Rebsorte ist, die bei uns besonders gut wächst, die hier am meisten Sinn macht, die Qualität bringt.

VINOA: Als du den Betrieb übernommen hast, hattest du da Pläne etwas zu ändern, etwas neu zu machen, zu experimentieren?

Prinz zu Salm-Salm: Da der Übergang in meine Verantwortung nicht sehr hart war, habe ich zusammen mit meinem Vater und meinem Bruder geschaut, wie wir das Weingut weiterentwickeln können. Im Grunde sind wir von der Betriebsfläche her ein bisschen kleiner geworden. Ich habe gesagt: Ich will weniger machen und das besser. Ich habe deutlich mehr Zeit investiert, wirklich zu schauen, was welchem Weinberg gut tut. Das vorwiegende Thema der letzten Jahre war außerdem, noch mehr bessere Lagen dazu zu nehmen und weniger gute zu verpachten. Als ich angefangen habe, hatten wir ein Drittel der Weinberge in VDP.Großen Lagen oder VDP.Ersten Lagen, heute liegen sogar zwei Drittel der Weinberge in VDP.Großen Lagen. Wir sind also vom Grundsatzpotential der Anbauflächen her deutlich besser dran, als vielleicht vor zehn Jahren. Dabei habe ich die Grundidee meines Vaters weitergeführt: eine ökologische Wirtschaftsweise – und den Fokus auf Riesling sogar ausgebaut.

VINOA: Was ist deiner Meinung nach der beste Jahrgang in den letzten Jahren gewesen?

Prinz zu Salm-Salm: Also den besten Jahrgang gibt es aus meiner Sicht nicht. Es gibt viele schöne Jahrgänge, die Spaß machen, die gut waren, die im Charakter sehr unterschiedlich sind. Aber einer der Topjahrgänge für uns ist sicherlich der Jahrgang 2015. Das lag daran, dass das Wetter gepasst hat, dass wir einen sehr schön trockenen und warmen Herbst hatten. Dadurch gab es wenig Fäule und wir konnten eine gute Menge ernten. Wir konnten die Trauben eigentlich zum perfekten Zeitpunkt lesen. Aber auch 2010 und 2011 waren sehr schöne Jahre.

VINOA: Was ist der beste Wein, den ihr im Keller liegen habt?

Prinz zu Salm-Salm: Gerade haben wir ein Fass im Keller liegen, das ein Cuvée unserer besten vier Lagen ist. Das ist ein kleines 600er Halbstück Holzfass, also 600 Liter. Da haben wir uns wirklich aus den vier besten Lagen Riesling zusammengelegt, der jetzt im Keller ausgebaut wird. Den werden wir noch 2 Jahre im Fass liegen lassen, bevor wir ihn abfüllen. Und dann wollen wir ihn aber auch noch zwei bis drei Jahre auf der Flasche liegen lassen, bevor er überhaupt auf den Markt kommt.

Das aus grünem Schiefer gemauerte Gewölbe des Weinkellers, Prinz zu Salm-Dalbergsches Weingut Felix und Constantin zusammen mit ihrem Mitarbeiter Clemens Ladenburger im aus grünem Schiefer gemauerten Weinkeller, Prinz zu Salm-Dalberg'sches Weingut

VINOA: Oh das klingt fantastisch! Was meinst du, wird dann so eine Flasche kosten?

Prinz zu Salm-Salm: Oh, das weiß ich noch nicht. Ich denke, wir werden den auf eine Weinversteigerung geben. Bei so einem hochwertigen Produkt können wir sicherlich zwischen 50 und 100 € pro Flasche ankommen.

VINOA: Was sind deine Ziele für das Weingut und deine Weine in den nächsten Jahren?

Prinz zu Salm-Salm: Grundsätzlich verfolge ich das Ziel, dass ich mit unserem Wein Menschen Freude bereite. Ich möchte dass der Wein Menschen zum Essen schmeckt oder auch einfach nur so und dass sie Freude daran haben. Ich möchte dass die Kunden schmecken und riechen können, was unsere Region und unser Weingut ausmacht. Grundsätzlich ist das Ziel, mit den Weinbergen noch individueller zu arbeiten, die großen Lagen weiter auszubauen und ein paar großartige Weine daraus zu machen. Daher möchte ich den Weg, den wir eingeschlagen haben einfach weiterverfolgen. Ich versuche also, auf Topqualitäten zu gehen, ein hohes Maß an Individualität bei den einzelnen Weinen zu erreichen und die Region und die Böden wirklich auch schmeckbar zu machen. Das ist das Hauptziel.

VINOA: Vielen Dank, Felix, für das Interview!

Entdecke jetzt die Weine vom Prinz zu Salm-Dalberg'schen Weingut:

Gutswein 'Der Salm' Terroirwein 'Riesling vom roten Schiefer' Weingut Prinz zu Salm-Dalberg

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Bildquellen: 

Alle Bilder zur Verfügung gestellt von Felix Prinz zu Salm-Salm

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