Interview: Richard Östreicher, Winzer vom Weingut Richard Östreicher

VINOA Wein Magazin // 03.08.2016 // Interview: Richard Östreicher, Winzer vom Weingut Richard Östreicher

In der 10-teiligen Interviewreihe blickt VINOA hinter die Kulissen des Winzerdaseins! Lerne Persönlichkeiten kennen und erhalte teils private Einblicke in das Leben unserer Gesprächspartner. Hast du dich nicht auch schon einmal gefragt: "Was macht ein Winzer eigentlich den ganzen Tag?". Auf diese und viele weitere Fragen erhälst du in den nächsten Wochen spannende Antworten. Heute an der Reihe: Richard Östreicher vom gleichnamigen Weingut Richard Östreicher.

Seine Leidenschaft für Wein bestimmt sein Fühlen, Denken und Handeln. Richard Östreicher, autonomer Winzer mit Leidenschaft und Beharrlichkeit, der weiß was er will und seine Vision kompromisslos umsetzt. Dem Normalo-Weintrinker weitestgehend unbekannt und eben so gar nicht Mainstream, verzaubert er die Spitzengastronomie hingegen schon lange. Warum Richard Östreicher nach eigener Aussage „nie stehen bleibt“, wofür er sich gerne manchmal mehr Zeit nehmen würde und was seine Frau zu alldem sagt, erfährst du heute im Interview mit ihm.

Steckbrief Richard Östreicher, Winzer Weingut Östreicher

VINOA: Herr Östreicher, 1995 haben Sie das Weingut von Ihrem Vater übernommen. Welche Veränderungen und Ideen lagen Ihnen damals besonders am Herzen und haben Sie diese rückblickend in die Tat umsetzen können? 

Richard Östreicher: Um ehrlich zu sein, hatte ich nach dem Weinbaustudium erst mal die Nase voll vom Thema Wein. Zu viel Technik, zu viel Industriewein. Also bin ich mit ein paar Kumpels nach Venezuela, um dort eine Strandbar aufzumachen. Hat nicht geklappt. Aber nach unserem grandiosen Scheitern war ich endlich bereit für das Weingut. Meine Eltern haben mich bei meinem Ziel, große Weine zu machen, voll unterstützt und auch den Übergang begleitet. Ich durfte in Allem frei entscheiden. Dafür bin ich meinen Eltern sehr dankbar. Ich habe von Fasswein auf Flaschenproduktion umgestellt, die alte Remise in eine Weinstube umgebaut und im Weinberg einiges anders gemacht, etwa den Anteil der Burgunder-Sorten erhöht, Erntemengen reduziert, Qualitätsmanagement verstärkt.

VINOA: Jenseits all der Weinbergsromantik die wir uns beim Trinken unserer Weine als Verbraucher so ausmalen, wie sieht ein typischer Arbeitstag von Ihnen im April aus und wie im November?

Östreicher: Im April läuft die Arbeit im Weinberg natürlich schon wieder auf Hochtouren. Jetzt legt der Winzer den Grundstock für die Qualität des neuen Jahrgangs. Die Drahtanlagen müssen überprüft und gegebenenfalls repariert werden, die Ruten, also die einjährigen Triebe des Rebstocks, werden niedergezogen. Mit speziellen Geräten, dem sogenannten Unterstockräumer, bearbeite ich den Boden schonend – das ist notwendig, weil wir auf den Einsatz von Herbiziden (Glyphosat) vollständig verzichten. Da müssen wir dann zusätzlich auch schon mal mit der Hand dem Unkraut zu Leibe rücken. 
In unserem alten Gewölbekeller trennen wir einen Teil der Jungweine vom Hefelager und bereiten sie für die Füllung auf die Flaschen vor. 
Im November wird der neue Jahrgang im Keller überprüft: Läuft die Gärung so, wie ich mir das vorstelle? Wie lange lasse ich die Rotweine noch auf der Maische? Und im Weinberg werden die letzten Bodenbearbeitungen gemacht. Nicht zu vergessen der Vertrieb der Weine, Stichwort Weihnachtsgeschäft.

Kerstin Richter- Östreicher und Lesehelfer

Ehefrau Kerstin Richter-Östreicher (links) und fleißige Lesehelfer (Mitte und rechts) bei der Traubenlese

VINOA: Was würden Sie sagen, hat sich zwischen Ihrer Generation und der Ihres Vaters am meisten verändert, hinsichtlich der Anforderungen an Ihren Beruf?

Östreicher: Die Generation meines Vaters musste viel mehr körperlich arbeiten. Heute erleichtert uns die Technik vieles. Dafür ist mehr geistige Arbeit gefragt, eine höhere Konzentration auf das Produkt, den Vertrieb und Marketing.

VINOA: Wie viele Mitarbeiter hat Ihr Betrieb und wie sieht die Aufgabenverteilung bei Ihnen aus?

Östreicher: Ich habe Familienangehörige, die im Weinberg und im Büro mitarbeiten. Und neben ihrem Beruf unterstützt mich meine Frau in vielen Bereichen.

VINOA: Auf was legen Sie besonders Wert bei Ihrer Arbeit?

Östreicher: Auf drei Dinge: Qualität, Qualität, Qualität – immer im Einklang mit der Natur. 

VINOA: Wofür würden Sie sich gern ab und an mehr Zeit im Arbeitsalltag einräumen?

Östreicher: Für meine Frau.

Weingut Richard Östreicher: Freunde helfen bei der Lese

Bei der Lese des Weinguts Richard Östreicher packen alle Freunde mit an! 

VINOA: Ihre Referenzenliste liest sich wie das „who-is-who“ der Spitzenköche- und Sommeliers-Szene, u. a. servieren die Zwei-Sterne-Häuser Königshof, Residenz Heinz Winkler und Kastell in der Hotel Burg Wernberg Ihre Weine als Begleiter edler Speisen. Auch die Weinführer "Eichelmann", "Gault Millau" und "Der Feinschmecker" zeichnen Sie als eines der besten Weingüter Deutschlands aus. Wie fühlt es sich an für seine Leistung so geehrt zu werden und wieviel Arbeit steckt schlussendlich dahinter?

Östreicher: Es ist letztlich nur eine Bestätigung meiner jahrzehntelangen Arbeit. Es war ein langer Weg bis hierhin. Ich hinterfrage tagtäglich selbstkritisch mein Tun, verbringe meinen Urlaub in anderen Weinregionen – am liebsten in Frankreich –, tausche mich mit Kollegen aus dem Ausland aus. Nie stehen bleiben. Klingt jetzt anstrengend. Aber Weinmachen erfüllt mich. Ich könnte mir keinen schöneren Beruf wünschen. In den Weinbergen zu stehen, in sie hineinzuhören, im Keller den Reifeprozess der Weine zu begleiten – das ist einfach großartig.

VINOA: Steigt der Leistungsdruck an die eigene Arbeit dadurch eigentlich auch? Wie gehen Sie mit der daraus resultierenden Erwartungshaltung an Ihre Produkte um?

Östreicher: Nein, eigentlich nicht. Den größten Druck mache ich mir selber. Immer besser zu werden, jeder Rebsorte, jedem Jahrgang, jedem einzelnen Weinberg gerecht zu werden, das treibt mich an. Und es macht mich zugleich glücklich. 

VINOA: Sie haben viele ausgezeichnete Weine im Sortiment, welchen würden Sie unseren Lesern für eine gemütliche Runde mit Freunden im Sommer empfehlen?

Östreicher: Unser Sommergewitter, eine Cuvée aus Silvaner und Riesling. Frisch, mit einer mineralischen Note, nicht zu schwer, perfekt für einen lauen Sommerabend. Oder unser Lieblingsstück, ein Silvaner, der im Holzfass ausgebaut wurde. Spontan vergoren, mit einem cremigen Touch und einem ausbalancierten Säurespiel. 

Richard Östreicher prüft Oechslegrade

Spätburgunder (links), Richard Östreicher prüft die Oechslegrade (rechts)

VINOA: Natürlich stehen Sie hinter all Ihren Weinen gleichermaßen, sonst würden Sie sie ja nicht herstellen, aber gibt es einen Wein oder eine Rebsorte die Ihnen über die Jahre besonders ans Herz gewachsen ist?

Östreicher: Die Burgundersorten, rot wie weiß. Echte Diven, die höchste Ansprüche an das Können des Winzers stellen. 

VINOA: Der Beruf des Winzers ist kein Job der innerhalb einer 5-Tage-Woche jeweils nach 8 Stunden endet. Wie schaffen Sie den Balanceakt zwischen Arbeit und Zeit für Familie/Freunde oder ggf. sogar Hobbies?

Östreicher: Meine Frau sagt immer, mein Leben dreht sich 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche nur um Wein (lacht). Ich sehe das natürlich anders. Wir nehmen uns schon unsere Auszeiten, gehen gerne gut Essen, kochen gemeinsam mit Freunden und gönnen uns hin und wieder den Luxus, Tauchen zu gehen. Auch ein Winzer braucht mal Abstand, um wieder auf neue Ideen zu kommen.

VINOA: Was war in den letzten Jahren Ihr größter beruflicher Erfolg und gab es vielleicht auch einen Rückschlag den Sie weckstecken mussten?

Östreicher: Der bisher größte Erfolg: Dass mein neues Projekt Chardonnay gelungen ist. Der Jungfernwein entwickelt sich genauso, wie ich mir das vorgestellt hatte, als ich die Reben aus Meursault vor vier Jahren gepflanzt habe. Rückschlag? Hm. Fällt mir keiner ein. Wenn Sie nach den schmerzhaftesten Erfahrungen fragen, so waren das die Spätfröste am 4. Mai 2011. Ein rabenschwarzer Tag. Frostschaden von 85 Prozent. 

VINOA: Nennen Sie uns je drei Wörter die Ihre Weine, Sie als Winzer und Sie persönlich am besten beschreiben würden!

Östreicher: Meine Weine: eigenständig, mineralisch, charakterstark. Ich als Winzer: beharrlich, zielstrebig, qualitätsversessen. Als Mensch? Da fragen Sie besser meine Frau.

VINOA: Dann drei Wörter mit denen Ihre Frau Sie beschreiben würde. 

Östreicher: Witzig, liebevoll, verrückt.

VINOA: Wagen wir einen kleinen Blick in die Zukunft: Wo sehen Sie Ihr Weingut in fünf Jahren? Gibt es weitere Ziele, die Sie sich gesteckt haben?

Östreicher: Mir ist am wichtigsten, jeden einzelnen Jahrgang, wie die Natur ihn mir schenkt, auf die Flasche zu bringen. Ohne Schnörksel, mit Substanz.

Entdecke jetzt die Weine vom Weingut Richard Östreicher:

Weingut Richard Östreicher Silvaner Weißburgunder Weingut Richard Östreicher

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Bildquellen:

Titelbild: Andreas Durst
Alle weiteren Bilder wurden freundlichst zur Verfügung gestellt vom Weingut Richard Östreicher

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