Interview: Rijk Melck – Winzer des Weinguts Muratie in Südafrika

VINOA Wein Magazin // 28.09.2016 // Interview: Rijk Melck – Winzer des Weinguts Muratie in Südafrika

In einer 10-teiligen Interviewreihe blickt VINOA hinter die Kulissen des Winzerdaseins! Lerne spannende Persönlichkeiten kennen und erfahre was unsere Gesprächspartner aus der Weinwelt antreibt. Wenn auch du dich schon einmal gefragt hast: "Was macht ein Winzer eigentlich den ganzen Tag?", dann erhältst du in den nächsten Wochen spannende Antworten. Heute an der Reihe: Rijk Melck, Winzer vom Weingut Muratie in Südafrika.

Eine lange und inspirierende Geschichte hat das Weingut Muratie, gelegen an den Hängen des Simonsbergs in Stellenbosch, Südafrika. Und Rijk Melck, der heutige Eigentümer, wird gar nicht müde von verbotener Liebe, von Künstlern und Musen, von einfallsreichen Winzern und ihren schönen und schlauen Töchtern zu erzählen. Im Interview mit VINOA vergisst er dabei natürlich nicht, uns auch von seinen Weinen zu erzählen und von den Menschen, die dazu beitragen, dass sie die Seele Südafrikas in sich tragen.

Rijk Melck, Winzer des Weinguts Muratie

VINOA​: Hallo Rijk! Deine Weine sind fast ausschließlich nach Personen benannt. Da gibt es unter anderem eine Rotwein-Cuvée, die heißt "Ansela van de Caab" und einen Rosé Sekt Namens "Lady Alice". Was hat es mit den Namen auf sich?

Rijk Melck: Das hat mit unserer langen Geschichte zu tun. Unser Weingut ist ungefähr 350 Jahre alt und im Laufe dieser Zeit haben viele interessante Personen ihren Teil zu Muratie beigetragen. Wir haben uns entschieden, die Geschichte in die Weine einfließen zu lassen und sie nach Personen zu benennen, die hier gelebt und gearbeitet haben. Da ist zum Beispiel unser Chenin Blanc Cuvée "Laurens Campher", es ist nach dem Gründer und ersten Besitzer von Muratie im Jahr 1685 benannt. Er war ein deutscher Soldat der sich hier in Muratie niedergelassen hat. Laurens war unsterblich in ein Sklavenmädchen aus Kapstadt verliebt und deshalb nahm er regelmäßig einen 3-tägigen Fußmarsch durch das Buschland auf sich, um seine Geliebte im Sklavenhaus zu besuchen. Ihr Name war Ansela van de Caab, was holländisch für "Ansela vom Kap" ist. Unser Rotwein Cuvée aus Cabernet Sauvignon, Merlot und Cabernet Franc ist nach ihr benannt. Das tragische an der Liebe zwischen Laurens und Ansela ist, dass sie nicht zusammen leben konnten, weil Laurens zunächst nicht das Geld aufbringen konnte sie freizukaufen. Immer wieder wanderte er also den langen Weg von Muratie nach Kapstadt, um sie zu sehen, blieb ein paar Tage und wanderte wieder zurück. Es dauerte 14 Jahre bis er sie endlich befreien konnte. Sofort heirateten sie und gründeten gemeinsam das Muratie-Weingut.

VINOA: Ihr legt viel Wert auf die Geschichte eures Weinguts, wie spiegelt sich das in eurer Arbeit wieder?

Rijk Melck: Erstmal unabhängig vom Thema Wein ist die Muratie-Farm vor allem ein geschichtsträchtiger Ort. Mit seinen gut 350 Jahren zählt unsere Farm zu den ältesten privaten Weingütern in Südafrika und diese vergangenen Zeiten kann man auf unserem Gelände sehr gut nachfühlen. Das berührt etwas in den Menschen, die uns hier besuchen. Hier kommen sie an einen Ort der ganz anders ist, als ein Weingut, das im Jahr 2016 errichtet wurde. Muratie ist aber kein Museum, in dem man nichts anfassen darf. Wir leben hier eine gewisse Philosophie: Muratie ist nicht Schickimicki, sondern menschlich und bodenständig, aber eben auch nicht Kuddelmuddel.

Weinkeller des Weingutes MuratieEin alter Weinkeller bei Muratie: Viel Geschichte, ein klein wenig Kuddelmuddel – vor allem aber kein Schickimicki.

VINOA: Hat das auch einen Einfluss auf eure Weine?

Rijk Melck: Die Gebäude, der Weinkeller, der Tastingraum sind antik, aber unsere Weine auf der anderen Seite sind modern. Wir machen hier erstklassige Weine auf dem Niveau der ersten Welt und kombinieren das ganze mit einem fairen Umgang mit unseren Mitarbeitern, aber auch in Verantwortung gegenüber unserer Umwelt. Deshalb verfolgen wir im Weinberg einen biodynamischen Ansatz. Wir lesen unsere Beeren komplett von Hand und haben ein penibles Sortiersystem im Keller, sodass nur die besten Trauben in den Wein kommen.

VINOA: Was heißt das konkret? Wie sehen gute Arbeitsbedingungen in Südafrika aus?

Rijk Melck: Generell bezahlen wir unsere Mitarbeiter deutlich oberhalb des üblichen Lohns in diesem Bereich, das gilt für alle Mitarbeiter, ob für Aushilfen in der Lesezeit oder feste Mitarbeiter. Wir sehen unsere Angestellten als Teil der Muratie-Familie und behandeln sie auch so, im Besonderen gilt das natürlich für die festen Mitarbeiter, das Muratie-Team. Sie erhalten von uns eine Kranken- und Lebensversicherung, sodass sie und ihre Familien auch in schwierigen Zeiten versorgt sind. Außerdem können alle unsere Mitarbeiter an einem speziellen Sparplan teilnehmen: jeden Monat zahlen sie 15% einer festgelegten Summe ein und wir geben 85% dazu, das ermöglicht ihnen vielleicht, sich irgendwann ein eigenes Haus zu bauen oder sich sogar selbständig zu machen. So wollen wir die Unabhängigkeit unserer Mitarbeiter erhöhen und ihnen wirtschaftliche Sicherheit geben und das danken sie uns immer wieder mit wirklich ausgezeichneter Arbeit und viel Liebe fürs Detail. Sie sind wirklich ein Teil der Muratie Familie.

Mitarbeiter vom Weingut Muratie im WeinbergZur Muratie-Philosophie gehören faire Arbeitsbedingungen und bio-dynamische Landwirtschaft.

VINOA: Und was bedeutet Biodynamik für euch?

Rijk Melck: Wir verzichten weitestgehend auf chemische Pestizide und stärken unsere Reben mit natürlichen Maßnahmen. Gegen Insekten wie Wespen und Rebläuse setzen wir gezielt bestimmte Nützlinge ein, also andere Insekten, die die Rebläuse und die Wespen fressen. Außerdem pflanzen wir zwischen den Weinstöcken ein spezielles Gras, dass wir im Sommer platt walzen. Dadurch bildet sich eine natürliche Mulchschicht, wie ein Kompost, der die Weinpflanzen mit wichtigen Nährstoffen versorgt und nebenbei den Boden vor dem Austrocknen schützt. Zu 100% auf Spritzmittel zu verzichten, ist uns aber bisher noch nicht gelungen. Südafrika hat ein völlig anderes Klima als Europa und es gibt noch nicht viele Erfahrungen mit rein biologischer Landwirtschaft. Gegen den Mehltau setzen wir deshalb ganz gezielt und unter strenger staatlicher Kontrolle geringe Mengen von Fungizid ein. Aber wir arbeiten daran, auch das irgendwann ohne Chemie hinzubekommen.

VINOA: Wo du gerade das besondere Klima erwähnst, welchen Einfluss hat die Lage am Simonsberg auf eure Weine?

Rijk Melck: Der Simonsberg ist sehr wichtig für uns, seine Hänge bieten uns eine schöne Steigung, die sehr gut für das Mikroklima im Weinberg und die Sonneneinstrahlung ist. Wenn ich ins Tal, nach Westen hinuntersehe, kann ich in der Ferne den Tafelberg und dahinter den Hafen von Kapstadt sehen. Durch die erhöhte Lage haben wir hier etwas geringere Temperaturen, sodass die Trauben schön langsam ausreifen und dabei eine angenehme Säure entwickeln können. Durch das nahe Meer bekommen wir hier im heißen Sommer hin und wieder eine kühle Brise, die ebenfalls etwas abkühlt und über Nacht entsteht durch die hohe Luftfeuchtigkeit der Morgentau, der sich am Boden und auf den Pflanzen absetzt, was wiederum sehr gut für die Feuchtigkeitsregulierung ist.

Weingut Muratie: der GartenDas Klima am Simonsberg bringt frischen Morgentau in die Hitze Südafrikas.

VINOA: Welche Rebsorten baut ihr bei euch an?

Rijk Melck: Insgesamt haben wir 55 Hektar Weinberge auf denen wir zu einem etwas größeren Teil rote Trauben anbauen, vor allem sind das Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc, Petit Verdot und Pinot Noir. Unsere weißen Trauben sind Chardonnay, Chenin Blanc, Verdello und Muscat di Alexandria. Wir produzieren aber auch Portwein und haben deshalb alle wichtigen portugiesischen Trauben dafür: Tinta Barocca, Tinta Roritz und Souzão.

VINOA: Du selbst hast einige Jahre als Mediziner gearbeitet und das Weingut erst später von deinem Vater übernommen ohne praktische Erfahrung im Weinkeller, wer kümmert sich denn in fachlicher Hinsicht um die Weine?

Rijk Melck: Unser Kellermeister ist Hattingh de Villiers, er ist jetzt 30 Jahre alt und hat, bevor er zu uns kam, bereits Erfahrungen in Australien und Kalifornien gesammelt. Seit drei Jahren macht er nun unsere Weine und hat damit bereits Doppelplatin und Doppelgold gewonnen. Er ist wirklich ein ausgezeichneter Kellermeister und außerdem ein sehr guter Sportler, wir verstehen uns sehr gut.

VINOA: Was gehört alles dazu, wenn man so gute Weine machen möchte? Was ist euer Erfolgsgeheimnis?

Rijk Melck: Ich glaube es ist unser Auge fürs Detail im Weinberg, aber auch unser spezielles Terroir hier am Simonsberg. Wir haben hier auf der Farm und bei uns im Team viel gute Energie und gutes Karma, das ist sehr wichtig. Weinmachen ist schließlich ein Mannschaftssport, da muss schon Teamgeist da sein. Ich glaube, dass das auch ein wenig aus unserer Geschichte kommt. Immer wieder haben Menschen auf der Muratie-Farm große Widerstände aus dem Weg geräumt, um ihren eigenen Weg gehen zu können. Da ist zum Beipiel Alberta Annamaria Canitz, die die erste Frau in Südafrika war, die eigenständig ein Weingut geführt hat. Ihr Vater, Georg Paul Canitz, ein bildender Künstler aus Deutschland hat zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Weingut gekauft und als erster Winzer in Südafrika Pinot Noir angebaut, deshalb haben wir unseren Pinot Noir nach ihm benannt und unseren Merlot haben wir seiner Tochter gewidmet, der ersten Winzerin des Landes.

VINOA: Auf eurer Website kann man sehen, wie bei euch Wein mit den Füßen gestampft wird, gehört das zu eurer Produktion oder wie sind diese Bilder entstanden?

Rijk Melck: Oh! Nein, nein! Das Bild ist natürlich nicht in unserem Keller entstanden. Wir veranstalten jedes Jahr ein Erntefest, bei dem unsere Besucher selbst ausprobieren können, wie das Weinmachen in der Vergangenheit betrieben wurde. Das ist wirklich ein großer Spaß und die Leute amüsieren sich jedes mal köstlich.

VINOA: Habt ihr häufig Besucher auf der Farm?

Rijk Melck: Ja, natürlich. Für uns ist das alles sehr aufregend, weil das Thema Weintourismus immer wichtiger wird und immer mehr Menschen zu uns kommen, um zu sehen, wie der Wein entsteht. Wir vermieten ja auch ein kleines Cottage, das ehemalige Studio des Künstlers Georg Paul Canitz. In unserer Gegend kann man außerdem sehr gut Mountainbike fahren und die fabelhafte Aussicht auf den Tafelberg und den indischen Ozean habe ich ja schon erwähnt. Mit dem Auto kommt man heute in nur 30 Minuten bis nach Kapstadt – gar nichts im Vergleich zu den Strapazen die Laurens Campher auf sich genommen hat. Eine wichtige Institution für unsere Besucher ist natürlich auch unser Restaurant, in dem meine Frau bodenständige und klassische Gerichte der Region kocht. Zum Beispiel macht sie eine wunderbare Lammkeule und auch ihr Slow Roast Chicken ist legendär, die Leute lieben es. Auch hier halten wir uns an unser Motto: kein Schickimicki. Molekularküche passt nicht zu uns.

Tastingroom vom Weingut Muratie, StellenboschDer Tasting-Raum auf dem Muratie-Weingut. Hier trifft antike Einrichtung auf hochmoderne Winzerprodukte.

VINOA: Welche Weine empfehlt ihr zu eurem Menü?

Rijk Melck: Zum Hühnchen würde ich den "Isabella" Chardonnay empfehlen, der nach meiner Tochter benannt ist, aber auch der "Laurens Campher" schmeckt wunderbar dazu. Zu Lammkeule oder zu Steaks passen unsere kräftigen Rotweine, also beispielsweise der "Ansela van de Caab" oder mein persönlicher Lieblingswein, der "Ronnie Melck" Shiraz, benannt nach meinem Vater. Der Wein ist so herrlich komplex. Im Prinzip haben wir zu jedem Gericht auf unserer Karte eine passende Weinempfehlung, aber das würde an dieser Stelle zu weit gehen.

VINOA: Danke, Rijk, für diese wundervollen Einblicke in deine Arbeit!

Du möchtest sehen wie das Leben und Arbeiten auf dem Weingut Muratie abläuft? Schau dir unser Video dazu an:

Entdecke jetzt die Weine vom Weingut Muratie:

Weingut Muratie - Laurens Campher Weingut Muratie - Ansela van de Caab Weingut Muratie - Ronnie Melck Shiraz

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Bildquellen:

Alle Bildrechte: © Rijk Melck, Muratie.

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