Interview: Roland Probst – Inhaber von Immich-Batterieberg (Teil 1)

VINOA Wein Magazin // 31.08.2016 // Interview: Roland Probst – Inhaber von Immich-Batterieberg (Teil 1)

In der 10-teiligen Interviewreihe blickt VINOA hinter die Kulissen des Winzerdaseins! Lerne spannende Persönlichkeiten kennen und erfahre was unsere Gesprächspartner aus der Weinwelt antreibt. Wenn auch du dich schon einmal gefragt hast: "Was macht ein Winzer eigentlich den ganzen Tag?", dann erhälst du in den kommenden Wochen spannende Antworten. Heute an der Reihe: Roland Probst, Inhaber des Weinguts Immich-Batterieberg.

Das Weingut Immich-Batterieberg liegt an den malerischen Windungen der Mittelmosel im kleinen Örtchen Enkirch. Historische Dokumente belegen, dass hier bereits vor über 1000 Jahren Wein angebaut wurde. Den ungewöhnlichen Namen erhielt es, weil einer der früheren Besitzer, Carl August Immich einen Teil seiner besonders steilen Weinberge mit Hilfe von Sprengbatterien in Terrassenform sprengen ließ. Im Jahr 1841 war das eine wahre Innovation.
Seit dem Jahr 2009 befindet sich das Weingut nun im Besitz zweier Freunde, Roland Probst und Dr. Volker Auerbach. Im ersten Teil unseres Interviews erzählt uns Roland, wie es dazu kam, dass sie das Weingut übernahmen, von den Reaktionen der Alteingesessenen und wie es ist, die Neugier über die Furcht vor dem Unbekannten siegen zu lassen.

Roland Probst, Eigentümer des Weinguts Immich-Batterieberg

VINOA: Hallo Roland! Danke, dass du dir Zeit für uns nimmst. Du hast zusammen mit Volker Auerbach vor wenigen Jahren das Weingut Immich-Batterieberg gekauft. Wie kam es dazu?

Roland Probst: Das war ein längerer Prozess. Volker Auerbach ist ein Freund von mir und wir sind uns über gemeinsame Freunde häufiger begegnet. Und da gab es, wie das eben so ist, auch immer mal wieder das ein oder andere Glas Wein. Er war ganz klar der Initiator und Vorreiter und präsentierte mir dann diese Idee und auch einige Weingüter, die man sich mal anschauen könnte und die zum Verkauf standen. Das haben wir dann einfach mal gemacht. Und hängen geblieben sind wir bei Immich-Batterieberg.

VINOA: Ihr seid beide keine gelernten Winzer. Was hat euch denn überhaupt auf die Idee gebracht, ein Weingut zu kaufen? Was reizt euch daran Wein zu machen?

Roland Probst: Zum einen ist es natürlich das große Interesse und die sehr starke Affinität zum Thema Wein und zu Lebensmitteln an sich. Das zweite ist Neugier und auch ein bisschen Naivität. Wenn man dann in zehn Jahren zurückschaut, denkt man hoffentlich: “Das war genau die richtige Entscheidung.” Eigentlich haben wir ja funktionierende Unternehmen, die uns sehr in Anspruch nehmen. Also andere Geschäfte, wo wir unser eigentliches Geld verdienen. Insofern war es wirklich einfach nur die Freude an dem Thema Wein, die sich natürlich weiterentwickelt hat! Es war also die Freude, die Gelegenheit und ich glaube am Ende, hätte es keiner von uns alleine gemacht. Geteiltes Leid ist halbes Leid und gemeinsame Freude ist doppelte Freude. So muss man es beschreiben.

"Es war also die Freude, die Gelegenheit und ich glaube am Ende, hätte es keiner von uns alleine gemacht. Geteiltes Leid ist halbes Leid und gemeinsame Freude ist doppelte Freude."

Immich-Batterieberg Roland Probst, Dr. Volker Auerbach und Kellermeister Gernot Kollmann

V.l.n.r. Roland Probst, Dr. Volker Auerbach und Gernot Kollmann vom Weingut Immich-Batterieberg

VINOA: Wie kam es dazu, dass das Weingut überhaupt verkauft wurde?

Roland Probst: Das Weingut war 2009 insolvent. Das Weingut war sehr, sehr lang, ich glaube Jahrhunderte im Besitz der Familie Immich, bis es Ende der 80er Jahre verkauft wurde. Das Weingut wurde dann weitergeführt, bis es 2006 in die Insolvenz schlitterte. Der letzte Jahrgang der produziert wurde, war 2006. Dann gab es eine zweijährige Pause, in der netterweise die Weinberge von anderen Winzern aus dem Ort gepflegt und bewirtschaftet wurden. Das war ganz entscheidend für den Weinberg und hat es uns gleich ermöglicht, nach der Übernahme im Jahr 2009 einen Jahrgang zu präsentieren. Lustigerweise hatte eine regionale Bank nicht mehr bediente Kredite an das Weingut vergeben und die wurden dann verkauft an eine Resteverwertungsbank. Mit der haben wir dann über den Kaufpreis verhandelt, das war ganz interessant.

VINOA: War der Kauf dadurch ein Schnäppchen?

Roland Probst: Ja, nein – vielleicht. Ich glaube für uns war es ein Schnäppchen. Es war schon sehr lange auf der Bilanz dieser Verwertungsbank und musste wohl da runter. Außerdem war 2009 der Höhepunkt der Finanzkrise, das machte das nicht schöner. Und außerdem dachten, die sich wahrscheinlich, kann man ein Weingut nicht so einfach zerstückeln und aufteilen. Also die Einzelteile eines Weingutes sind im Grunde genommen weniger Wert als das ganze Weingut, das Wein produziert. Bei anderen Dingen ist das meist genau andersherum. Ich glaube insgesamt war der Preis okay, weil wir das Weingut direkt in Betrieb nehmen konnten und auch die Immobilien gut saniert waren. Der Vorbesitzer hat sich da auch sehr viel Mühe gemacht.

VINOA: Ist die lange Geschichte des Weinguts auch eine Verantwortung, die man spürt? Hat das nicht etwas Erschreckendes, dass man weiß: dieses Weingut existiert hier seit fast über 1000 Jahren und wir könnten es versauen?

Roland Probst: Nein, das ist zu groß formuliert. Man möchte natürlich, dass es funktioniert, aber das Weingut war ja im Grunde schon nicht mehr da. Man muss auch sehen, dass es hier an der Mosel über 1000 Weingüter gibt. Wahrscheinlich hätte es keiner vermisst. Das ist also eine andere Basis, als würde man ein seit langem prosperierendes Weingut übernehmen und versuchen, eine neue Stufe des Weltruhms zu erklimmen. Wir versuchen einfach, das Weingut weiter zu entwickeln. Hier an der Mosel gibt es ja extreme Steillagen, die man nur von Hand bearbeiten kann, weil man mit Maschinen nicht weiterkommt. Eine echte Kulturlandschaft, die wir zu erhalten versuchen. Und da wollen wir kontinuierlich Lagen dazu kaufen – wenn es denn passt. Wir haben letztes Jahr den Trabener Zollturm hinzugekauft – eine extrem steile Lage, tatsächlich mit so einer alten Ruine.

Steillagen "Trabener Zollturm" - Immich Batterieberg

Die neu zugekauften Steillagen "Trabener Zollturm"

VINOA: Was haben die Nachbarn, also auch die anderen Winzer in der Nähe dazu gesagt, als ihr das Weingut übernommen habt?

Roland Probst: Einige Anwohner waren anfangs sicherlich kritisch. Da kommen zwei Typen aus Hamburg an und kaufen ein Weingut. Und da fragen sich die Leute: Was machen die jetzt damit? Ich glaube mittlerweile konnten wir die Stimmung ein wenig auflockern. Wir haben natürlich erstmal gezeigt, dass wir dort richtigen Weinbau betreiben wollen. Außerdem haben wir den Leuten gezeigt, dass wir ihnen nichts wegnehmen, auch nicht den Leuten aus dem Ort, die teilweise ihre eigenen Kellereien haben und manchmal die Flasche Spätlese für 3,50 € verkaufen. Wir bedienen mit unseren Weinen ein ganz anderes Publikum. Und zuletzt ist noch wichtig, dass wir offen unseren Nachbarn gegenüber waren. Wenn ein anderer Winzer ankam und wollte sich von unseren Gerätschaften etwas leihen, dann haben wir das gerne getan. Ich denke einen großen Anteil daran hat auch mein Vater, der sehr viel Zeit auf dem Weingut verbringt und ein sehr offener und herzlicher Mensch ist. Wenn er durch den Ort geht, dann grüßen ihn die Menschen mit Vornamen, das macht natürlich sehr viel aus.

"Das Ziel ist also qualitativ und quantitativ zu wachsen. Ich glaube, das wird auch der ganzen Region gut tun. Aber vor allem müssen wir den Leuten noch viel mehr erzählen, warum wir die Weine so machen, wie wir sie machen."

VINOA: Was steht bei euch denn für die Zukunft an? Wollt ihr noch größer werden, Lagen dazu kaufen? Was ist geplant?

Roland Probst: Wir müssen größer werden. Momentan sind wir an dem Punkt, dass wir pro Jahr 75.000 Flaschen produzieren. Um langfristig wirtschaftlich zu arbeiten, müssen wir aber die Flaschenanzahl weiter erhöhen und wir werden auch nicht umhin kommen, eine gewisse Preisentwicklung durchzumachen. Es ist natürlich kein Ziel, bewusst teurer zu werden, aber ich denke wir müssen es machen, weil die Art der Bewirtschaftung eben so anspruchsvoll ist. Das Ziel ist also qualitativ und quantitativ zu wachsen. Ich glaube, das wird auch der ganzen Region gut tun. Aber vor allem müssen wir den Leuten noch viel mehr erzählen, warum wir die Weine so machen, wie wir sie machen. Das wird vermutlich noch einige Jahre dauern. Wir müssen mit Sommeliers, Spitzengastronomie noch mehr in Kontakt kommen. Aber das ist der deutsche Markt. International läuft das ein bisschen anders, da ist die Benchmark Robert Parker. Wir gehören zu den deutschen Weingütern mit den besten Robert Parker Bewertungen im trockenen Bereich. Das hat natürlich eine extrem starke, internationale Sogwirkung. Alle unsere Weine haben mehr als 90 Punkte bei Robert Parker, abgesehen vom Einstiegswein, dem C.A.I. Riesling, der liegt nur knapp darunter. Das C.A.I. steht übrigens für Carl August Immich, dessen Familie namensgebend für das Weingut ist.

Steillagen "Trabener Zollturm" - Immich Batterieberg

Die Anbauflächen des Weinguts sind von extremen Steillagen geprägt, sodass die Sonne ihre volle Kraft entfalten kann.

VINOA: Eure Monopollage Batterieberg wurde im neunzehnten Jahrhundert in seine heutige Form gesprengt. Das war ja die Leistung von Carl August Immich und daher auch der Name Batterieberg. Kämen derartige Eingriffe für euch heute auch in Frage?

Roland Probst: Nein, das war damals ja eine Innovation, weil der Carl August Immich diese extreme Steillage in Terassenform gesprengt hat, um dort überhaupt sinnvoll Wein anbauen zu können. Das muss man heute natürlich nicht noch einmal tun. Heute ist der Weinanbau auch so hoch optimiert, dass derartige Eingriffe gar nicht mehr nötig sind.

VINOA: Welche Rebsorten baut ihr vorwiegend an?

Roland Probst: Ich finde Riesling ist die interessanteste Rebsorte, es gibt einfach dieses wunderbare Säure-Süße-Spiel. Das ist das tolle an dieser Rebsorte, wenn ein Wein gut gemacht und vernünftig temperiert, aber nicht zu kalt serviert wird. Deshalb war eigentlich von Anfang an klar, dass wir ein Riesling Weingut suchen. Außerdem habe ich von Anfang an bei Volker und Gernot dafür geworben, einen Spätburgunder-Hang dazu zu kaufen, was wir dann auch gemacht haben. Im ersten Jahr war dieser Hang allerdings in sehr schlechtem Zustand. Da hat nichts gestimmt. Deshalb haben wir aus den Trauben des ersten Jahrgangs einen Spätburgunder Rosé gemacht. Der hat dann so viel Anklang gefunden, dass wir das beibehalten haben. Wobei die Menge gerade so für den Eigenbedarf ausreicht (Roland schmunzelt). Wir machen nur ein Fuder, das sind vielleicht 1200 Flaschen pro Jahrgang. Die verkaufen wir zwar auch, die tauchen aber nicht in den Weinlisten auf. In der klassischen Positionierung sind wir also ein Rieslingweingut mit verschiedenen Lagen und wir produzieren noch einen Spätburgunder als Premiumprodukt.

"Wir sind alle irgendwie darauf trainiert, dass ein Rotwein tanninreich sein muss, holzig, fast 15% Alkohol und so weiter. Alles andere ist dann “zu dünn”. Aber Gernot macht sehr elegante, feingliedrige Spätburgunder. Ich finde sie grandios!"

VINOA: Würdest du sagen, dass eure Rotweine von der Qualität her genauso hochwertig sind wie die Weißweine, oder ist das noch ausbaufähig?

Roland Probst: Also ausbaufähig ist eigentlich alles. Wir positionieren uns natürlich als reines Rieslingweingut, aber wir machen es schon so, dass wir auch bei den Spätburgundern einen gewissen Stil haben. Gernot macht sehr elegante, feingliedrige Spätburgunder. Und ich glaube der normale deutsche Rotweintrinker findet diese Weine eher ungewöhnlich. Wir sind alle irgendwie darauf trainiert, dass ein Rotwein tanninreich sein muss, holzig, fast 15% Alkohol und so weiter. Alles andere ist dann “zu dünn” und so weiter. Aber die Weine von Gernot sind eben nicht sehr tanninreich. Und damit ein Gegenkonzept davon. Ich finde sie grandios, aber ich glaube auch das ist ein Nischenprodukt. Eben auch, weil sie ja ein enormes Lagerpotential haben, eine lange Zeit brauchen, um sich voll zu entwickeln, man sie eigentlich nicht sofort trinken “darf”.

VINOA: Wären eure Weine deshalb für ein Massenpublikum weniger geeignet?

Roland Probst: Eigentlich bräuchte man für alle unsere Weine so eine Art Packungsbeilage, die erstmal alles erklärt. Man müsste eigentlich alle unsere Weine dekantieren, die brauchen so viel Luft, weil sonst gar nicht alle Aromen hervortreten. Es gibt da so einen kleinen Trick: Wenn man morgens schon weiß, dass man Abends eine Flasche Weißwein trinken will, kann man den Korken ziehen, einen ganz kleinen Schluck Weißwein aus der Flasche ausgießen und den Korken wieder reinstecken. Wenn man dann die Flasche wieder in den Kühlschrank stellt, ist der Wein abends perfekt belüftet. Das reicht schon, um die Oxidation anzustoßen.

VINOA: Habt ihr schon darüber nachgedacht, neben Riesling und Spätburgunder auch einen Winzersekt anzubieten?

Roland Probst: Oh ja, natürlich! Wir haben sogar angefangen einen Sekt aus den Lagenweinen zu produzieren, der letztes Jahr Sekt des Jahres war bei der FAZ. Das ist ein Zero Dosage Sekt, der schmeckt, als ob man an einer Rasierklinge lutscht – mit Riesling Geschmack. Das mag natürlich nicht jeder, dieser Sekt polarisiert total. Aber wenn man ihn mag, dann haut er einen völlig um.

Entdecke jetzt die Weine vom Weingut Immich-Batterieberg:

Weingut Immich-Batterieberg - Escheburg Riesling Weingut Immich-Batterieberg - C.A.I. Riesling Weingut Immich-Batterieberg - Batterieberg Riesling

Im zweiten Teil unseres Interviews sprechen wir mit Roland über den etwas schwierigen Weinmarkt in Deutschland, über große, internationale Chancen und über die Herausforderung erstklassige, aber komplizierte Weine an den Mann zu bringen.

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Bildquellen:

Freundlichst zur Verfügung gestellt vom Weingut Immich-Batterieberg

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