Kleine Weingüter in Italien – Eine emotionale Entdeckungsreise

VINOA Wein Magazin // 11.01.2017 // Kleine Weingüter in Italien – Eine emotionale Entdeckungsreise

Mal wieder noch schnell eine Flasche Wein für den Feierabend oder das Abendessen bei Freunden im Supermarkt abgegriffen? Die Auswahl an italienischen Weinen wird immer größer: Primitivo, Negroamaro, Aglianico, Greco di Tufo, Montepulciano - klingt doch alles super! Oder doch nicht? Hast Du schon einmal einen Blick auf den Hersteller geworfen? 

Mehr als 90% der mittlerweile über 250.000 (!) Weingüter in Italien sind familiengeführte, kleine Betriebe, die mit einer jährlichen Produktion von weniger als 50.000 Flaschen den Sprung in die rigiden Distributionskanäle gar nicht schaffen und für die meisten unentdeckt bleiben.

Um zu vermeiden, dass auch Du in diese Falle tappst und (meist unbewusst) immer wieder Produkte der gleichen Hersteller kaufst, haben wir eine kleine Entdeckungsreise unternommen und zwei Weingüter in der Toskana und in Sizilien genauer unter die Lupe genommen und möchten Dir ihre besonderen Geschichten näher bringen. Von den hügeligen Langhe im Piemont und den international prämierten Anbaugebieten der Toskana im Norden Italiens über die steilen Hänge der abruzzesischen Berglandschaft und die vom mediterranen Klima angeheizten vulkanischen Böden Kampaniens im Zentrum bis hin zu den exquisiten Weinlandschaften in Sizilien mit ihren komplexen Böden und dem heißen Klima, gibt es in ganz Italien unzählige kleine Schätze der Weinkultur zu entdecken.

Winzer Alessandro Tognozzi vom Weingut Contemaso, Toskana
Alessandro Tognozzi von der Kellerei Contemaso in der Toskana

Die Kellerei Contemaso – Schüchterne Exzellenz

Wir machen unseren ersten Halt im toskanischen Castiglione d’Orica, an einem malerischen Flecken an der Grenze zu den Gebieten Montalcinos auf den sinnlichen Hügeln der Provinz Siena. In diesem verträumten Dorf treffen wir auf den unscheinbaren Alessandro Tognozzi Moreni, der im Jahre 2001 damit begann, den landwirtschaftlichen Betrieb, der bereits seit dem 16. Jahrhundert im Besitz seiner Familie mütterlicherseits ist, zunächst für den Agrartourismus zu präparieren. 

Man kann diesem schüchternen Mann, der in einem früheren Leben in der Wirtschaftswelt arbeitete, deutlich anmerken, dass er mit seiner zurückhaltenden Art eher selten über sich und seine persönliche Geschichte spricht. Er ist ganz der Natur verpflichtet und stellt Weine aus Leidenschaft und Liebe her, um typische Produkte seines Herkunftsgebietes herstellen zu können. Obwohl er bald nach der Umstrukturierung des Anwesens mit der Kultivierung von Trauben und dem Verkauf von Wein begann, hat er zum Beispiel bis heute keine eigene Webseite für das Weingut angelegt.

Für ihn ist seine Arbeit in den kleinen Weinbergen, die mit Sangiovese, Cabernet Sauvignon und Petit Verdot kultiviert sind, nämlich eine nie in Frage gestellte, völlig kommerziell unbefleckte Selbstverständlichkeit. Genauso selbstredend ist für ihn auch die Handlese der Trauben und der auf eine höchstmögliche Qualität abzielende Ertrag von gerade einmal 4-5 Tonnen pro Hektar. Für das Flaggschiff seiner Kellerei, den Toscana Rosso “Supertuscan”, kommt er somit auf eine jährliche Menge von gerade einmal 8.000 Flaschen. Jedoch kann diese Zahl auch deutlich niedriger ausfallen, da sie stark von den klimatischen Bedingungen abhängt. Als zweites Produkt verkauft er deshalb seit kurzem auch einen Roséwein.

Auf Nachfrage berichtet er uns abschließend von seiner magischen Geheimformel für den perfekten Wein; 65% Sangiovese für die Rauheit und ein bisschen Aggressivität sowie 20% Cabernet Sauvignon und 15% Petit Verdot, um den Wein rund zu machen und ihm grasige sowie fruchtige Aromen zu verleihen.

Tiziana vom Weingut Primaterra, Sizilien
Tiziana von der Kellerei Primaterra in Sizilien

Primaterra – Unendliche Weite und Komplexität

Angetan von dieser Erfahrung und gestärkt von der Weichheit und Freundlichkeit, die Alessandro mit seinem Supertoskaner gemeinsam hat, setzen wir unsere Reise gen Süden fort. Mit der wärmenden Herbstsonne an unserer Seite und einer angenehmen Brise durch die heruntergekurbelten Fenster des Cinquecento nähern wir uns der größten italienischen Insel und können am Horizont schon den im Nebel verschleierten schlafenden Riesen ausmachen.

Hier, an den Nordhängen des Parco Nazionale des Etnas in einer umwerfend schönen Zone des UNESCO Weltnaturerbes erwarten uns Tiziana und Camillo, die vor 15 Jahren ein kleines Stückchen Land erworben haben. Auf über 800 Meter über dem Meeresspiegel hat sich das Paar hier den Traum des Anbaus von Trauben verwirklicht, indem sie das bereits existierende Weingelände von Grund auf erneuert haben. In der täglichen Arbeit profitieren sie speziell vom einzigartigen Mikroklima, das charakterisiert ist durch sonnige und kalte Winter, mit genug, aber nicht zu viel Regen und mit einer konstanten Lüftung, was dazu beiträgt, das exzellente Weine aus den sandigen sowie mineralhaltigen Lavaböden emporkommen.

Im Falle der Kellerei Primaterra sprechen wir von zwei Produkten, dem Etna Rosso und dem Sicilia Rosso, die man in insgesamt weniger als 5.000 Flaschen jedes Jahr abfüllt. Beide werden zum größten Teil aus der autochthonen Rebsorte Nerello Mascalese hergestellt, die speziell für die niedrigen Erträge mit exzellenter Qualität bekannt ist. Gleichzeitig widmen Tiziana und Camillo sich auch dem Önotourismus mit einer eigenen Osteria und geführten Verkostungen für interessierte Gäste.

Auf die Frage nach ihrer Philosophie berufen sich beide auf den Respekt für die Natur und für lokale – seit jeher existierende – Traditionen. Geleitet von diesen Prinzipien arbeiten sie tagtäglich daran, Weine herzustellen, die ihr Herkunftsgebiet widerspiegeln, das uns – genau wie der Wein auch – Gefühle von unendlicher Weite und Komplexität schenkt.

Weinkeller voller Holzfässer im Weingut Contemaso
Der Weinkeller des Weinguts Contemaso ist einer dieser Schätze, die nur eine Reise zu kleinen Weingütern offenbart.

Eine unverhoffte und fantastische Entdeckung

Neben all den Weinen der zwei Kellereien haben wir von unserer Entdeckungsreise vor allem eines mitgenommen: den Eindruck und die Bestätigung, dass man in kleinen Weingütern die Kultur wirklich noch auslebt. Das Leben scheint in diesen familiengeführten Betrieben stillzustehen, man lebt in und mit der Natur und verdient sich mit Agrartourismus noch ein bisschen Geld dazu. Alles läuft getreu dem italienischen Sprichwort “Gente allegra, Dio l’aiuta”, also “Fröhlichen Leuten hilft Gott”.

Hauptsächlich ist der Wein also kein kommerzielles Produkt, sondern das lebensspendende Erzeugnis der gnädigen Natur. Auch wenn diese Produkte schwer aufzufinden sind, werden wir uns auch in Zukunft wieder auf den Weg machen, um Winzer kennenzulernen, deren Weine ihr Terroir mit maximaler Qualität widerspiegeln und um Geschichten erzählt zu bekommen, die von Leben erzählen, bei denen der Wein  oft unverhofft - in den Mittelpunkt gerückt ist.

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Bildquellen:

Alle Fotos wurden uns freundlicherweise vom Autor zur Verfügung gestellt.

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