Madeira – Seereisen und aromatische Weine

VINOA Wein Magazin // 09.06.2017 // Madeira – Seereisen und aromatische Weine

Von langen Reisen, einsamen Inseln und aromatischen Weinen

Eigentlich war die Insel Madeira nur eine sehr günstig gelegene Raststätte für die Seefahrer des 17. Jahrhunderts auf dem Weg nach Amerika und Ostindien. Mitten im Atlantik gelegen, ganzjährig mit einem milden Klima gesegnet, ließ sich hier nebenbei auch gut ein Wein anbauen, den die Seeleute sehr zu schätzen wussten und fleißig für die Weiterfahrt bunkerten. Mit etwas Brandy verstärkt, konnte der Wein auch über längere Zeit an Bord aufbewahrt werden und war deshalb auch für sehr lange Seefahrten bis nach Indien geeignet. Aber etwas wirklich Besonderes war der Wein von Madeira bis dahin nicht. Es ist wohl einem glücklichen Zufall zu verdanken, dass die Seefahrer während ihrer Reisen durch verschiedene Klimazonen entdeckten, dass der Wein im Laufe der Zeit immer besser wurde. Die wechselnden Temperaturen sorgten dafür, dass der Wein sich in den Fässern erwärmte und wieder abkühlte und dadurch ganz besondere Aromen entfaltete. Seitdem wird der Madeira Wein auch als Vinho da Roda, also als Wein, der die Welt umrundet hat, bezeichnet.

Das Besondere am Madeirawein

Diese Temperaturschwankungen sorgen dafür, dass der Zucker im Wein zum Teil karamellisiert und damit Noten von gerösteten Nüssen, eingemachtem Obst und natürlich Karamell entstehen. Die Temperaturveränderungen haben außerdem den Effekt, dass zusätzlicher Sauerstoff in die Holzfässer eindringt und so für eine Oxidation des Weines sorgt. Neben den Nuss- und Karamellnoten tauchen auch Aromen von Pfirsich und Orangen im Madeira auf, je nach Typ kommen auch weitere Aromen hinzu und der Wein kann leichter oder kräftiger sein.

Ein Madeirafass im Keller des Weinguts Blandy's. Der Wein wird nach der Canteiro Methode hergestellt.Ein Madeirafass im Keller des Weinguts Blandy's. Der Wein wird nach der Canteiro Methode hergestellt.

Die Herstellung von Madeiraweinen

Heute werden die Weine nicht mehr auf Weltreise in einem Schiffsrumpf geschickt, das wäre viel zu teuer und die modernen Schiffe sind dafür nicht mehr geeignet. Stattdessen werden zwei verschiedene Methoden angewandt, die ganz einfach vor Ort, auch der Insel Madeira angewandt werden können: Das klassische Verfahren nennt sich Canteiro. Dabei werden die Holzfässer mit dem Wein für mehrere Jahre direkt unter das Dach des Weinkellers oder sogar in die Sonne gestellt, um auf diese Weise die Temperaturschwankungen durchmachen zu müssen. Die zweite, heute häufiger angewandte Methode heißt Estufagem. Der Wein wird in modernen Edelstahlbehältern schnell und kostengünstig erhitzt und für 3 Monate auf einer Temperatur von etwa 50°C gehalten. Die Lagerung findet anschließend in Eichenfässern statt.

Die Qualitätsstufen des Madeira

Natürlich gibt es nicht nur “den einen Madeirawein”. Da wären zum einen die Qualitätsstufen, die sich vor allem auf die Dauer der Lagerung und Reifung beziehen. Sie gelten für Madeiraweine, die aus mehreren Jahrgängen verschnitten werden. Insgesamt fünf Stufen gibt es:

  •     Rainwater: Ein eher leichter Madeira, der als Aperitif oder zum Verfeinern von Saucen und Desserts gedacht ist. Er reift mindestens drei Jahre und wird aus Trauben der Rebsorte Tinta Negra hergestellt.
  •     Finest: Heißt zwar Finest (manchmal auch einfach nur Fine), ist aber eigentlich der günstigste Madeirawein. Herstellung wie beim Rainwater, nur etwas intensiver im Geschmack. Eignet sich vor allem zum Kochen.
  •     Reserve, Special Reserve, Extra Reserve: Mit 5, 10 und 15 Jahren Mindestreifezeit und steigenden Qualitätsanforderungen eignen sich die Reserve Weine sehr gut als Aperitif oder als hochwertige Begleitung zum Dessert.

Jahrsgangsweine der Madeiraweine

Als Steigerung der eben beschriebenen Qualitätspyramide gibt es noch die Jahrgangsweine. Jeder Wein besteht also aus den Trauben eines einzigen Jahrgangs. Was bei regulären Rot- und Weißweinen heute als selbstverständlich gilt, ist bei Madeiraweinen eine Besonderheit. Es ist zwischen zwei Typen zu unterscheiden:

  •     Colheita: Mindestens 5 Jahre gereifte Weine aus einer einzigen Rebsorte. Eignen sich hervorragend als besonderes Aperitif. Diese Weine sind die Messlatte an der die verschiedenen Winzer bewertet werden.
  •     Frasqueira: Wird nach der Caintero Methode hergestellt und muss mindestens 20(!) Jahre im Fass reifen. Wahrscheinlich der beste (und teuerste) Madeirawein. Eine wirkliche Spezialität und nicht leicht zu bekommen.

Ein Weinkeller gefüllt mit alten Jahrgängen von Madeiraweinen. Im Gegensatz zu normalen Rotweinen werden die Flaschen aufrecht gelagert.Ein Weinkeller gefüllt mit alten Jahrgängen von Madeiraweinen. Im Gegensatz zu normalen Rotweinen werden die Flaschen aufrecht gelagert.

Die typischen Rebsorten auf Madeira

Fünf Rebsorten werden auf Madeira angebaut. Den Löwenanteil der Fläche belegt die rote Rebsorte Tinta Negramoll die für die meisten Madeiraweine verwendet wird. Alle anderen Rebsorten sind weiß, wobei die Weine mit der Zeit nachdunkeln. Den zweiten Platz belegt die Traube Malmsey, die vor allem für sehr kräftige, süße Weine verwendet wird. Dasselbe gilt für die Bual-Traube, die Aromen von Vanille und Zimt birgt. Madeira aus der Verdelho-Traube ist etwas trockener und weniger süß mit frischen Aromen von Zitrone, gurke und interessanterweise Heu. Genau wie die noch trockeneren Sercial-Madeiras mit Pfirsich- und Walnussnoten, sollte er leicht gekühlt serviert werden.

Wann trinke ich einen Madeira?

Die zuletzt beschriebenen, hellen und trockenen Weine (Sercial) passen gut zu Fisch oder schmecken als zutat in Longdrinks und Cocktails. Die halbtrockenen (Bual, Verdelho) Madeiras sind ideal als Aperitif zu würzigen, kalten Vorspeisen, wie beispielsweise Schinken, Weichkäsen und süßen Desserts. Die vollmundigen, süßen Weine (Tinta Negramoll, Malmsey) dienen dann als perfekte Absacker zum Nachtisch, also beispielsweise zu Früchten, süßen Desserts und kräftigen Käsesorten wie Roquefort.

Besondere Hersteller, die man kennen sollte

Der größte und international bekannteste Produzent ist Henriques & Henriques Vinhos. Dessen berühmtester Wein ist der Single Harvest von 1997, der für seine weichen Noten gerühmt wird. Besonders bekannt für seine Weine, die ausschließlich nach dem aufwendigeren Canteiro-Verfahren hergestellt werden, ist das Familienweingut Blandy’s Madeira. Hier ist es der Blandy Malmsay, der mit einem Duft nach getrockneten Feigen von sich reden macht. Vielfach werden auch die Weine vom Weingut Justino Henriques nachgefragt. Das Weingut ist bekannt für seine ausgezeichneten Lagerbestände auch sehr viel älterer Jahrgänge. Hier sind vor allem die Rebsortenreinen Madeiras zu nennen, die mit Aromen von Trockenpflaumen, Orangen oder frischem Tabak bestechen.

Der Genuss von Madeirawein kann ein langes und gesundes Leben schenken. Wir wünschen ein herzliches Prosit!Der Genuss von Madeirawein kann ein langes und gesundes Leben schenken. Wir wünschen ein herzliches Prosit!

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