Mamma Mia, Makaronesien – Weinbau auf den Azoren (Teil 1)

VINOA Wein Magazin // 28.09.2016 // Mamma Mia, Makaronesien – Weinbau auf den Azoren (Teil 1)

Um es gleich vorwegzunehmen: anders als die Überschrift suggeriert (ich gebe zu: ein eher schlechter Wortwitz), ist Makaronesien nicht etwa die Heimatregion der ähnlich klingenden Nudelsorte, sondern vielmehr lautet so die Bezeichnung für die im östlichen Zentralatlantik liegenden Inselgruppen vulkanischen Ursprungs. Zu den „Inseln der Glückseligen“ gehören von Norden nach Süden: die Azoren, Madeira mit den Ilhas Selvagens, die Kanaren und die Kapverden. Obwohl sich die Inseln über eine Länge von rund 2.600 km erstrecken, haben sie doch viele Gemeinsamkeiten in Bezug auf Fauna, Flora und Klima. Auch Wein wird auf jedem der Archipele angebaut. Im ersten Teil unserer Reihe über Makaronesien geht es um den Weinbau auf den Azoren.

Vulaninsel Pico

Vulkaninsel Pico mit dem gleichnamigen Berg, der mit seinen 2.351 m die höchste Erhebung Portugals ist

Habichtsinseln – bekannt durchs Azorenhoch

Die Habichtsinseln, wie sie auf Deutsch heißen, liegen im Nordatlantik zwischen dem 36. und 39. nördlichen Breitengrad sowie dem 25. und 31. westlichen Längengrad. Verwaltungstechnisch gehören sie zu Portugal. Sie sind damit der westlichste Punkt Europas. Bekannt ist die Inselgruppe vor allem von der Wettervorhersage: das sogenannte „Azorenhoch“ bürgt jedoch keineswegs für beständigen Sonnenschein. Am Entstehungsort des berühmten Hochdruckgebiets ist das Klima eher wechselhaft. Die Bewohner der Azoren sprechen deshalb scherzhaft auch von vier Jahreszeiten an einem Tag. Dabei fallen die Temperaturunterschiede zwischen Sommer und Winter gering aus.

Weinkeller auf Pico

Einer der "Weinkeller" der Azores Wine Company auf Pico

Weinanbau auf der Vulkaninsel Pico

Die Weinbaugebiete der Azoren beschränken sich auf drei der neun Inseln. Auf Pico, Terceira und Graciosa werden jährlich etwa 12.000 Hektoliter Wein produziert. Auch wenn die Rebfläche heute nur etwa 400 Hektar umfasst, die Tradition des Weinbaus reicht bis in das 15. Jahrhundert zurück. Damals brachte der Pater Frei Pedro Gigante die ersten Verdelho-Reben auf die Vulkaninsel Pico.

Diese Insel, die zweitgrößte der Azoren, wird dominiert von dem gleichnamigen Berg, der mit 2.351 m auch die höchste Erhebung Portugals ist. Die Produktion von Wein entwickelte sich hier schnell zum bedeutendsten Wirtschaftszweig und Wein wurde zum Hauptexportgut. Im 17. und 18. Jahrhundert wurden die Azoren-Weine selbst am russischen Zarenhof kredenzt. Ihren Höhepunkt erreichte die Weinproduktion im 19. Jahrhundert. Doch Mehltaubefall und eine Verschlechterung der Böden ließen den Weinbau danach zurückgehen.

Ab dem 18. Jahrhundert gewann schließlich der Walfang an Bedeutung. Die Männer von Pico, speziell aus der Ortschaft Lajes, galten als besonders mutige Walfänger, so dass sie sogar in Herman Melville´s „Moby Dick“ Erwähnung fanden. Mitte der 1980-er Jahre wurde der Walfang auf den Inseln eingestellt. Heute wird nur noch mit dem Teleobjektiv Jagd auf die riesigen Meeressäuger gemacht; Pico ist zu einem beliebten Ausgangspunkt für Walbeobachtungen geworden.

Currais Weingärten auf Pico

Die sogenannten Currais auf Pico gehören seit 2004 zum Weltkulturerbe

Azoren Weinbau im Aufwind – dank Winemaker António Maçanita

Auch der Weinbau ist inzwischen wieder im Aufwind. Dies ist dem bekannten portugiesischen Winemaker António Maçanita, Gründer und Eigentümer von Fitapreta, zu verdanken. Maçanita, der auch gerne surft und Rugby spielt, hat 2014 gemeinsam mit dem auf Pico ansässigen Weingut Insula Vinhos die Azores Wine Company ins Leben gerufen. Auf einer Fläche von 12 ha werden die teils 100 Jahre alten Weinstöcke nach alter Tradition kultiviert.

Schon früh hat man nämlich begonnen, die Reben zum Schutz vor Salzwasser und den starken Atlantikwinden mit Mauern aus losem Basaltstein zu umgeben. Diese für Pico typischen Weingärten, die sogenannten Currais, wurden 2004 von der UNESCO sogar zum Weltkulturerbe erklärt.

Diese spezielle Weinbautechnik sorgt für ein Mikroklima, das in Verbindung mit den fruchtbaren Lavaböden knackig-frische Weine von großer Mineralität hervorbringt. Man spürt förmlich eine steife Atlantikbrise um die Nase wehen. Wenn die viel zitierte Weinvokabel „Terroir“ also irgendwo ihre Berechtigung hat, dann ist es hier.

Warst du schon einmal auf Pico und hast die Currais besichtigt? Vielleicht hast du sogar einen Lieblingswein von einer der Inseln Makaronesiens?! Wir freuen uns über deinen Kommentar!

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Bildquellen:

Alle Bildrechte liegen bei der Azores Wine Company

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