Mamma Mia, Makaronesien (Teil 2) – Weinbau auf den Kapverden

VINOA Wein Magazin // 11.11.2016 // Mamma Mia, Makaronesien (Teil 2) – Weinbau auf den Kapverden

Um es gleich vorwegzunehmen: anders als die Überschrift suggeriert (ich gebe zu: ein eher schlechter Wortwitz), ist Makaronesien nicht etwa die Heimatregion der ähnlich klingenden Nudelsorte, sondern vielmehr lautet so die Bezeichnung für die im östlichen Zentralatlantik liegenden Inselgruppen vulkanischen Ursprungs. Zu den „Inseln der Glückseligen“ gehören von Norden nach Süden: die Azoren, Madeira mit den Ilhas Selvagens, die Kanaren und die Kapverden. Obwohl sich die Inseln über eine Länge von rund 2.600 km erstrecken, haben sie doch viele Gemeinsamkeiten in Bezug auf Fauna, Flora und Klima. Auch Wein wird auf jedem der Archipele angebaut. Der zweite Teil unserer Reihe über die Weinwelt Makaronesiens führt uns auf die Kapverden.

Weinberge auf Fogo, Kapverden

Weinberge auf Fogo, Kapverden

Die Kapverden – eine faszinierende Inselwelt

Die Kapverdischen Inseln, kurz Kapverden, liegen ca. 5.000 km von Deutschland entfernt im atlantischen Ozean, vor der Westküste Afrikas, etwa auf Höhe des Senegal. Würde man eine Gerade Richtung Westen ziehen, käme man in der Karibik raus.

Entdeckt wurden die Kapverden Mitte des 15. Jahrhunderts von portugiesischen Seefahrern. Bis zur Unabhängigkeitserklärung und der Gründung der Republik Kap Verde im Jahr 1975 standen die Inseln unter der Kolonialherrschaft Portugals. Die Amtssprache ist deshalb auch Portugiesisch, auf der Straße jedoch wird Kreolisch gesprochen. Denn durch die geostrategische Lage zwischen Europa, Afrika und Amerika hat sich im Lauf der Jahrhunderte eine multikulturelle Gesellschaft herausgebildet. Lange Zeit waren die Kapverden eine Drehscheibe für den internationalen Sklavenhandel. Durch die Vermischung von afrikanischen Sklaven und weißen Siedlern entstand eine eigene kreolische Kultur, die geprägt ist durch Lebensfreude, aber auch von einer gewissen Melancholie. Seinen musikalischen Ausdruck findet dieses spezielle Lebensgefühl in der sog. Morna, einer Moll-lastigen Musikrichtung, die dem portugiesischen Fado ähnelt. Ihre bekannteste Vertreterin ist die verstorbene „barfüßige Diva“, Cesaria Evora, die auf den Inseln wie eine Heilige verehrt wird.

Weinreben auf den Kapverden

Weinreben auf der Ilha do Fogo, Kapverden

Weinbau auf der Feuerinsel

Die Portugiesen waren die ersten, die Weinreben auf die Kapverden brachten, genau genommen nach Fogo. Von ihren Entdeckern bekam diese Insel ursprünglich den Namen San Filipe. Doch später wurde sie – aufgrund ihrer vulkanischen Aktivität sehr treffend – in Ilha do Fogo, also Feuerinsel, umbenannt. Im 19. Jahrhundert brachte ein französischer Adliger, Graf Montrond, Rebstöcke aus Frankreich auf die Insel. Eigentlich wollte er auf seiner Reise nach Brasilien nur einen Zwischenstopp einlegen. Doch er blieb – wahrscheinlich betört von der Schönheit der kapverdischen Frauen. Jedenfalls sagt man ihm nach, dass er um die 2oo Nachkommen auf Fogo gezeugt haben soll.

Diese fast kreisrunde Insel ist zwar nur die viertgrößte des Archipels, dafür jedoch die höchste. Der Vulkangipfel Pico do Fogo misst stattliche 2.829 m. Am Fuße des Vulkans wurden inmitten einer bizarren mondähnlichen Vulkanlandschaft, der Chã das Caldeiras, unter widrigen Bedingungen Weinreben kultiviert, und zwar in Mischkultur mit Obst und Gemüse. Die Trauben wurden von der örtlichen Winzergenossenschaft zu dem sehr schmackhaften Chã-Wein gekeltert. Diese Kooperative war nach dem Vulkanausbruch von 1995 ins Leben gerufen worden. Doch im November 2014 brach der Vulkan erneut aus und die kleine Kellereigenossenschaft wurde Opfer der Lavamassen.

Piemonteser Mönch treibt den Weinbau voran

Das ebenfalls ganz in der Nähe des Vulkans gelegene Weingut Vinha Maria Chaves blieb glücklicherweise unversehrt. 2005 hatte man dort, unweit der alteingesessenen Winzergenossenschaft, auf 23 ha 100.000 Weinreben angepflanzt. Die Initiative dazu geht zurück auf den Kapuzinermönch Padre Ottavio Fasano, der seit den 1960-er Jahren verschiedene Hilfsprojekte auf den Kapverden leitet. Der Pater stammt aus der Gemeinde Barolo im norditalienischen Piemont, was wohl seine Liebe zum Wein erklärt. Unter seiner Regie entstand auf 2.000 qm die neue Kellerei Adega Monte Barro mit modernen Stahltanks und professionellem Equipment, die somit der armen Landbevölkerung Arbeitsplätze bietet.

Weingut Vinha Maria Chaves, Wein Kapverden

Die Weine des Weingutes Vinha Maria Chaves, Kapverden

Doch der Weinanbau ist hier, wo es nur zweimal im Jahr regnet, kein leichtes Unterfangen. Um die Rebstöcke mit ausreichend Wasser zu versorgen, musste man 100 m tief in die Erde bohren und ca. 80 km Bewässerungsleitungen verlegen. Mit einem Team erfahrener italienischer Önologen und Kellermeister experimentierte der Padre deshalb mit rund 20 verschiedenen, hauptsächlich italienischen Rebsorten, von denen etwa die Hälfte mit dem vulkanischen Terroir zurechtkommt. Im Zusammenspiel mit alten lokalen Rebsorten portugiesischer und französischer Herkunft entstehen nun einzigartige Weine mit ausgeprägten Aromen und vulkanischem Charakter.

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Bildquellen:

Titelbild: flickr.com F Mira CC by 2.0
Bild 1: flickr.com F Mira CC by 2.0
Bild 2: flickr.com Mickaël T. CC by 2.0
Bild 3: Freundlichst zur Verfügung gestellt von Markus Schick

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