Das Markgräflerland - Heimat des Gutedels

VINOA Wein Magazin // 23.02.2017 // Das Markgräflerland - Heimat des Gutedels

Ganz im Südwesten der Bundesrepublik, dem badischen Teil Baden-Württembergs genauer gesagt, liegt Deutschlands südlichstes und mit über 2.000 Sonnenstunden im Jahr auch sonnigstes Weinbaugebiet, das Markgräflerland. Zwischen dem schweizerischen Basel und der südbadischen Stadt Freiburg erstrecken sich hier auf über 3.000 Hektar die Weinberge des Markgräflerlandes. Unterteilt in drei Großlagen (Burg Neuenfels, Lorettoberg und Vogtei Röteln) sowie 48 Einzellagen werden hier von ca. 4.000 Winzerfamilien jährlich über 28 Millionen Liter Wein erwirtschaftet (Quelle: Statistisches Landesamt).

Markgräflerland: Den Karls sei Dank - dem Weinbau verpflichtet

Weinbau hat im Markgräflerland Tradition, welche bis in die Zeit des alten Roms zurückzuführen ist. Das Markgräflerland ist nachweislich die Region Badens, in der am längsten Weinbau betrieben wird. Die Bedeutung des Weinbaus für diese Region hatte damals schon Karl der Große erkannt. So erließ er bezüglich der Reinheit und Echtheit der Weine verschiedenste Verordnungen. Er verbot den Einsatz von Weinschläuchen und ordnete den Einsatz von eisenbereiften Fässern an. Sogar die älteste Rebordnung Deutschlands findet sich im Markgräflerland wieder. So wurden in der Gemeinde Bollikon, dem heutigen Bad Bellingen, detaillierte Aufgabenbeschreibungen der Klosterwinzer niedergeschrieben.

Neue Reformen sorgten für Aufschwung im Markgräflerland

Nach dieser fruchtbaren Zeit für den Weinbau folgte, bedingt durch den dreißigjährigen Krieg ein herber Rückschlag für die Rebkultur in der damaligen Region des Markgräflerlandes. Erst im 18. Jahrhundert gab es durch Markgraf Karl Friedrich von Baden und seine neuen Reformen einen erneuten Aufschwung in die Rebkultur. Er veranlasste unter Anderem die geordnete Zeilenführung und ließ auch viele Obstbäume aus vorhandenen Rebflächen entfernen. Auch den Einsatz von allerlei gefährlichen Zutaten zur Schönung der Weine verbot er. Der Weinanbau im Markgräflerland erlebte durch Karl Friedrich von Baden eine wahre Blütezeit und erweist dadurch bis heute den Markgräfler Winzern einen Bärendienst.

Trauben der Rebsorte Gutedel

Trauben der Rebsorte Gutedel aus dem Markgräflerland

Markgräflerland, die Heimat des Gutedel

Prägend für das Markgräflerland war aber die Einfuhr des heutigen Aushängeschildes, der Markgräfler Gutedel. Karl Friedrich von Baden brachte diese „fast“ schon autochtone Rebsorte 1780 von einer Reise aus Veyvey am Genfer See unter dem Namen „Viviser“ mit nach Südbaden, wo die Rebe erstmals in Ebringen angepflanzt wurde. Beide Tatsachen stehen hier allerdings im Widerspruch, da die erste Pflanzung des Gutedels in Ebringen nachweislich im Jahre 1740 gewesen sein muss. Nichts desto trotz: Wir haben ihn hier! Und er ist mit einer Rebflächendeckung von 40% die meist angebaute Rebsorte im Markgräflerland. Der Gutedel wird innerhalb Deutschlands auch fast nur hier angebaut. Er ist dadurch zu einem Markenzeichen des südlichsten Weinbaugebiets geworden. Allerdings ein äußerst verkanntes und grob unterschätztes Markenzeichen.

Gutedel: kein „billiger Zechwein“

Gutedel wird oft als einfacher Schankwein oder„billiger Zechwein“ mit geringer Säure und „wenig ausgeprägten Aromen“ beschrieben. Dieser Aussage ist vehemt zu widersprechen. Nirgendwo anders als im Markgräflerland gibt es so viele verschiedene Spielarten des Gutedels. Ob frisch, leicht spritzig ausgebaut oder auch mit feinen Holznoten aus dem Barrique und spontan vergoren. Der Gutedel ist weit mehr als nur ein Alltags Wein für jeden Augenblick (was er durchaus auch ist). Das Image des Gutedels hat sich zum Glück in den letzten 15 Jahren gründlich geändert. Ambitionierte Weingüter und Genossenschaften zeigen überzeugend, was in der Traube steckt. Auch der Generationenwechsel innerhalb der Winzerbetriebe hat hier natürlich positiv dazu beigetragen. Tradition meets frische Ansätze und Herangehensweisen mit viel Mut zu Neuem.

Junge Winzer und Weltklasse Sommeliers entdecken ihn neu

Der Gutedel erlebt gerade eine Renaissance. So haben nicht nur die jungen Winzer erstklassige, sortentypische Weine daraus hervorgebracht, die leicht und elegant daher kommen, sondern auch Weltklasse Sommeliers wie der Elsässer Serge Dubs den Gutedel für sich entdeckt. Er mag ihn „besonders, weil er jung, spritzig und süffig ist“. Solche Sätze machen natürlich neugierig. Auch die Skeptiker.


Auch der Sommelierweltmeister Markus del Monego bestätigt dies: „Gutedel ist eine Rebsorte, die sehr reizvoll sein kann und eine Palette verschiedenster Weinstile hervorbringt“. Wir sind uns sicher, diese Aussage ist völlignunabhängig von der Tatsache, dass del Monego ein waschechter Markgräfler ist und ursprünglich aus dem schönen Weil am Rhein kommt.

Gutedel im Glas

Aus dem Margräflerland: Gutedel im Glas

Den Gutedel erleben

Genussvoll erleben kann man den Gutedel im Markgräflerland immer auch bei dem Gutedelwandertag (dieses Jahr am 25.05.2017 zwischen Staufen und Müllheim), welcher immer jährlich abwechselnd auf zwei Teilabschnitten des Markgräfler Wii-Weglis stattfindet. Entlang der Wegstrecke positionieren sich die Markgräfler Winzerbetriebe mit einer breiten Auswahl an Weinen und Speisen. Damit ist diese Veranstaltung wohl auch die längste Gutedel-Weinprobe der Welt!


Auch beim jährlichen Gutedel Cup, welcher innerhalb des Müllheimer Weinmarktes, dem ältesten Weinmarkt seiner Art, stattfindet und jährlich die besten Gutedel Variationen des Markgräflerlandes kürt, kann man sich einen hervorragenden Überblick über das breite Gutedel-Angebot verschaffen.
Hier lässt sich neben dem Gutedel die komplette Weinvielfalt des Markgräflerlandes erschließen. Allen voran die Burgundersorten.

Markgräflerland: Weine wie aus dem Burgund


Die Markgräfler Winzer machen sich bereits seit Jahrtausenden die optimalen Boden- und Klimaverhältnisse des Markgräflerlandes zu Nutze. Klimatisch begünstigt, scheint hier die Sonne häufiger und auch wärmer als an anderen Orten Deutschlands. Durch die sogenannte Burgundische Pforte gelangt warme Luft aus dem Rhônetal an die Weinberghänge am Fuße des Südschwarzwaldes und sorgt hier für ein ähnliches Mikroklima wie im Burgund. Auch die Bodenstruktur ist der im Burgund sehr ähnlich. Auf Lehm-Löss- und Muschelkalk-Böden gedeihen hier hervorragende Spätburgunder (Pinot Noir), Grauburgunder (Pinot Gris), Weissburgunder (Pinot Blanc) und auch Chardonnay.

Prämierte Spätburgunder aus dem Markgräflerland

Die Markgräfler Spätburgunder Rotweine haben es schon vielfach zu internationalen Prämierungen gebracht und können heute definitiv im internationalen Vergleich bestehen. Typisch für diese Rebsorte und den Ausbau in Baden und dem Markgräflerland sind die dichten Aromen von Brombeere, Johannisbere, dunkler Kirsche und Cassis. Spätburgunder Rotweine munden besonders in der kühleren Jahreszeit. Man trinkt sie chambriert auf 16 bis 18 Grad. Die Rebsorte Spätburgunder oder Pinot Noir gehört zu den frühesten aus den Wildreben weiterentwickelten Sorten im westlichen Mitteleuropa und ist nach dem Gutedel im Markgräflerland mit 30% Rebflächendeckung die am zweit häufigsten angebaute Rebsorte.

Nach Deutschland kam die Sorte angeblich durch Karl den Großen, wo sie 1318 urkundlich erwähnt wird. Die Sorte wird überwiegend als trockener Rotwein, halbtrockener Roséwein oder als Winzersekt ausgebaut. Hochwertige Rotweine werden zur Reife im großen Holzfass gelagert. Kräftigere Spätburgunder sind ideale Begleiter zu Braten, Wild oder auch einer kräftigen Käseplatte. Spätburgunder Roséweine (Weissherbst) eignen sich zu Vorspeisen, weißem Fleisch und gut gekühlt als idealer Sommerwein.

Tradioneller Ruländer

Der Grauburgunder oder auch Pinot Gris bringt sehr feine, fruchtig und runde Weine hervor, welche mit ihren filigranen Birnen- und Pfirsicharomen und feiner Säure viele Weinliebhaber begeistern. Der „Ruländer“, wie der Graue Burgunder hier noch heißt, zählt zu den weißen Edelrebsorten. Die Trauben werden meist recht früh gelesen und von vielen Winzern zu einem frischen, säurebetonten „Grauburgunder“ ausgebaut. Für den traditionellen „Ruländer“ werden eher die sehr reifen, oft sogar auch edelfaulen Trauben gekeltert und als sehr gehaltvolle Weine mit betonter Restsüße angeboten.

Weißburgunder mit Lagenanspruch

Zum heimlichen Favoriten hat sich in den vergangenen Jahren der Weissburgunder, eine Mutation des Pinot Noirs/Spätburgunders, im Markgräflerland entwickelt. Wie auch die anderen beiden Burgundersorten stellt der Weißburgunder oder auch Pinot Blanc genannt, hohe Ansprüche an die Weinlage. Der Weiße Burgunder bevorzugt warme, tiefgründige und kräftige Böden sowie exponierte, trocken-warme Lagen. Dezenter Alkoholgehalt sowie ein dezentes Aroma, das häufig an grüne Nüsse, Apfel, Birne, Quitte, Aprikose, Zitrusfrüchte oder frische Ananas erinnert zeichnen den Weißburgunder aus. Durch seinen mäßigen Körper und die angenehm frische Säure ist er darüber hinaus auch ein äußerst flexibel einsetzbarer Menüwein.

Dem Weissburgunder sehr ähnlich ist der Chardonnay, eine der populärsten Rebsorten der Welt. Im Burgund wurde dem Chardonnay Mitte des vorherigen Jahrhunderts aufgrund der etwas früheren Reife und geringeren Botrytisanfälligkeit der Vorzug gegeben. In seinem Ursprungsgebiet ist er heute allerdings fast vollständig verschwunden (Quelle: Wikipedia). Nicht so aber im Markgräflerland. Hier gedeihen sehr feine, vielfältig ausgebaute Chardonnays von allerhöchster Güte.

Wein-Geheimtipps aus dem Markgräflerland

Natürlich hat das Markgräflerland noch viele weitere hervorragende Rebsorten und Weine zu bieten. Der Markgräfler Gutedel und die Markgräfler Burgunderweine bilden hier allerdings die Speerspitze. Als Geheimtipp neben den typischen Markgräfler Weinen empfehlen wir an dieser Stelle den Riesling „Frauenberg“ 2015 Großes Gewächs vom VDP Weingut Lämmlin Schindler in Mauchen sowie den Syrah „Angel Hill“ 2014 vom Markgräfler Weingut Zimmermann in Schliengen. 

Was sagen die Gutedel-Fans unter euch? Welcher ist euer liebster Gutedel?

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Bildquellen:

Alle Fotos © Markgräfler Weintheke.de 2016

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