Pet Nat – die natürlichste Art des Prickelns!

VINOA Wein Magazin // 16.05.2016 // Pet Nat – die natürlichste Art des Prickelns!

Was andernorts bereits seit längerem im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde ist, kennen in Deutschland bislang nur einige Freaks und Eingeweihte. Die Rede ist vom sog. „Pet Nat“ – kurz für „Pétillant Naturel“ (franz. für „natürlich prickelnd“).

Erster Champagner von Dom Pérignon war ein Pet Nat

Die Bezeichnung „Pétillant Naturel“ steht nicht für eine Ursprungsregion (wie etwa beim Champagner) oder eine Rebsorte, sondern bezeichnet die Produktionsmethode. Diese ist nicht neu, sondern als „méthode ancestral“, also althergebrachte Methode der Schaumweinherstellung seit Jahrhunderten bekannt. Ausgangspunkt war wie bei so vielem in der Weinwelt Frankreich. So war der erste Champagner, den der Benediktinermönch Dom Pérignon gegen Ende des 17. Jahrhunderts – der Legende nach rein versehentlich – fabrizierte, eigentlich ein Pet Nat: Der Klosterbruder hatte wohl doch einen Wein einmal zu früh und mit etwas zu viel Restzuckergehalt in Flaschen gefüllt. Als er ein paar Monate später sein Werk probierte, sprudelte es aus der Flasche und aus ihm vor Begeisterung heraus: „Brüder, kommt schnell, ich trinke Sterne!“

Schaumwein-Herstellung: traditionelle Flaschengärung

Viele der heute produzierten hochwertigen Schaumweine werden in traditioneller Flaschengärung im Champagner-Verfahren hergestellt. Dazu wird dem durchgegorenen Grundwein ein Gemisch aus Zucker und Hefe zugesetzt, der Wein wird in dickwandige Flaschen gefüllt und meist mit einem Kronkorken verschlossen. In der Flasche findet dann die zweite Gärung statt, bei der die Perlage entsteht. Durch beständiges Rütteln und Drehen (sei es maschinell oder, bei hochwertigen Schaumweinen, von Hand) wandert das Hefedepot im Laufe der Reifung in den Flaschenhals, wo es dann entfernt – d.h. degorgiert – und nach Belieben mit einer Dosage (einem Gemisch aus Wein und Zucker) zur Bestimmung des Geschmacks aufgefüllt wird. Hübsch mit einem Naturkorken und Agraffe verschlossen, kommt das Produkt dann in den Verkauf.

Pet Nat-Herstellung: die natürlichste Form des Schaumweins

Pet Nats sind im Gegensatz dazu die natürlichste Form der Schaumweine, mit der geringsten Intervention von außen. Dafür wird noch während der Gärung im Fass oder Tank der Most in Flaschen abgefüllt, bevor der gesamte Restzucker zu Alkohol vergoren ist, und mit einem Kronkorken verschlossen. Der Most gärt in der Flasche zu Ende, und das erfreuliche Nebenprodukt der Gärung, die Kohlensäure, bleibt in der Flasche enthalten. Die Kunst besteht darin, den richtigen Zeitpunkt für die Füllung zu bestimmen. Gelingt dies, ist das Endprodukt ein herrlich frischer Schaumwein mit einer sehr feinen, animierenden Perlage. Verpasst man den richtigen Zeitpunkt jedoch, könnte das die Flaschen zum Explodieren bringen. Das ist nichts für Kontrollfreaks, ein hohes Maß an Experimentierfreudigkeit auf Winzerseite sollte schon sein. Denn sowohl der Geschmack als auch die Art des Sprudelns können von Flasche zu Flasche variieren.

Pet Nat aus Deutschland vom Weingut Brand

Deutscher Pet Nat vom Weingut Brand

Pet Nat aus Deutschland vom Weingut Brand

Dieses Spiel mit dem Risiko wagen bislang nur wenige Winzer. In Deutschland haben die beiden jungen Winzer Daniel und Jonas Brand vom Weingut Brand in der Nordpfalz als erste einen Pet Nat auf den Markt gebracht. „Der feine Geschmack und die Leichtigkeit haben uns total begeistert“, schwärmt Jonas Brand. Und dass die Pet Nats ganz ohne Zusatz von Hefe, Zucker und Schwefel auskommen, überzeugte die Brands zusätzlich. Schließlich haben sie das traditionsreiche Familienweingut in der Pfalz 2015 vollständig auf ökologischen Landbau umgestellt. Ihr Motto: Je natürlicher, desto besser. 

Und wie schmeckt nun der freche kleine Bruder des Champagners? In jedem Fall leicht hefig, da der Pet Nat nicht degorgiert wird. Der Pet Nat der Brand-Brüder schmeckt außerdem frisch, zart fruchtig, lebendig und leichtfüßig – und mit nur rund 11% vol. Alkohol – ist er der ideale Begleiter für lange Partynächte!

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Bildquellen:

Pet Nat-Foto: Andreas Durst

Alle weiteren Bildrechte liegen beim Autor.

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