Tahiti – Terra incognita des Weinbaus

VINOA Wein Magazin // 28.09.2017 // Tahiti – Terra incognita des Weinbaus

Bekanntermaßen gibt es nichts, was es nicht gibt. Dass auch in der Südsee Wein angebaut wird, überrascht deshalb nicht. Oder doch?

Tahiti - Faszinierende Südseeperle

Tahiti hat Kulturschaffende seit jeher fasziniert. 1857 veröffentlichte der deutsche Schriftsteller Friedrich Gerstäcker seinen Abenteuerroman „Tahiti“. Der französische Maler Paul Gauguin, bekannt für seine Gemälde mit Motiven der Südsee, lebte mehrere Jahre auf der Insel. Seine Orchesterfassung des Jazzstandards „Tea for Two“ taufte Komponist Dmitri Schostakowitsch „Tahiti Trot“. Und der Film-Klassiker „Meuterei auf der Bounty“ wurde unter anderem auf Tahiti gedreht. Also nur eine Frage der Zeit, dass auch die Weinbaukultur schließlich ihren Weg nach Französisch- Polynesien fand.

Weinbau auf Tahiti - Reben und Palmen

Weinbau auf Tahiti - hier treffen Weinreben auf Südseefeeling

Professioneller Weinanbau auf Tahiti

Die ersten Weinreben brachten Missionare bereits vor Jahrhunderten in die Region. Doch erst seit den 1990er Jahren wird dort professionell Wein angebaut. Genau genommen auf Rangiroa, dem größten Atoll des Tuamotu-Archipels, rund 350 km nordöstlich von Tahiti. Der Mann, dem diese Entwicklung zu verdanken ist, heißt Dominique Auroy. Der französische Weinliebhaber und Geschäftsmann hatte die Idee und den Mut, es selbst mit Weinbau im Süd-Pazifik zu versuchen. Kein schlechter Gedanke angesichts von immerhin 4 Millionen Flaschen Wein, die pro Jahr in das Gebiet importiert wurden. 1992 führte er also die ersten Reben aus Frankreich und Italien ein und begann, mit ihnen auf fünf verschiedenen Inseln zu experimentieren. Mit harter Arbeit, viel Geduld sowie der Unterstützung von Sébastien Thépénier, einem Önologen aus Burgund, schaffte er schließlich, was wohl nur wenige für möglich gehalten hätten: die Erzeugung von Qualitätswein mitten in der Südsee.

Auf Tahiti wird zwei Mal im Jahr der Wein geerntet

Auf Tahiti wird zwei Mal im Jahr der Wein geerntet

Weingut Domaine Ampélidacées

Auroy‘s Weingut Domaine Ampélidacées ist im Umkreis von mehreren Tausend Kilometern das Einzige. Die nächstgelegenen Weinbaugebiete befinden sich in Australien, Neuseeland und Kalifornien. Wer das Weingut besuchen will, muss erst einmal den Flieger von Tahiti nehmen. Nach rund einer Stunde landet man auf Rangiroa (in der Landessprache „weiter Himmel“), einem wahren Urlaubsparadies. Vom Dorf Avatoru sind es dann noch ein paar Minuten mit dem Boot bis zu der kleinen Riffinsel (sog. Motu), auf der der „Weinberg“ liegt – umrahmt von palmengesäumten Sandstränden und der berühmten Lagune, die zu den besten Tauchrevieren der Welt zählt. Vor dieser traumhaften Kulisse werden die Rebsorten Carignan rouge, Italia und Muscat de Hambourg angebaut, aus denen die Weißweine Blanc de corail, Clos du récif und Blanc Moelleux sowie der Rosé Nacarat gekeltert werden. Die Weine zeichnen sich durch ausgeprägte Frische und Mineralität aus. Zu verdanken haben sie die den speziellen Klima- und Bodenbedingungen. Der Boden besteht nämlich zu einem großen Teil aus abgestorbenen Korallen und ist daher sehr kalkhaltig. Gedüngt wird organisch mit Algen und zerkleinertem Rebholz.

Die geernteten Trauben werden mit dem Boot abtransportiert

Die geernteten Trauben werden mit dem Boot abtransportiert

Weinbau auf Tahiti - ein komplexes Unterfangen

Anfänglich wurde allerdings auch etwas nachgeholfen: bevor die ersten Reben gepflanzt werden konnten, mussten zunächst 200 Tonnen Erde von Tahiti herangebracht werden. Und um die Rebstöcke mit ausreichend Frischwasser zu versorgen, wurde ein Bewässerungssystem installiert. Ansonsten gedeihen die Weinstöcke, durch üppige Vegetation vorm salzigen Meereswind geschützt, dank des tropischen Klimas prächtig. Was Segen und Fluch gleichermaßen ist, denn da es keine kalte Jahreszeit gibt, fehlt den Reben die natürliche Ruhephase. Betriebsleiter Thépénier und sein Team steuern deshalb den Vegetationszyklus mittels Rebschnitt. Geerntet wird zweimal im Jahr, im Mai und im Dezember.

Die jährliche Produktionsmenge beträgt inzwischen 40.000 Flaschen, die auch nach Europa exportiert werden. In Deutschland sind sie erhältlich bei Chaivallier – Exotische Weine.

Bildquellen:

Freundlichst zur Verfügung gestellt von Markus Schick

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