Toskana – Weine für pure Sinnesfreuden

VINOA Wein Magazin // 07.12.2015 // Toskana – Weine für pure Sinnesfreuden

Wie wäre es mit einem kleinen Ausflug in die Toskana? Wir entführen Euch auf einen virtuellen Kurztrip. Traumhaft schön schlängeln sich die Straßen durch die toskanische Landschaft, gesäumt von Zypressenbäumen, Olivenhainen und natürlich Weinbergen. Neben der historischen Stadt Florenz gibt es zahlreiche pittoreske kleine Ortschaften wie die Burgstadt Bolgheri oder auch San Gimignano und Siena.

Heute ist die Toskana eines der beliebtesten Weinanbaugebiete Italiens mit dem höchsten Anteil an DOC und DOCG Weinen. Längst vorbei sind die Zeiten der Fiasco-Korbflaschen, in denen billiger Chianti abgefüllt wurde. Weinfans lieben die fruchtig-saftigen Morellinos, eleganten Chiantis, noblen Brunellos oder Vino Nobile di Montepulciano. Aber auch die Weißweinfans kommen auf ihre Kosten. Bieten doch der spritzig-leichte Vernaccia di San Gimigiano oder der vollmundige Vermentino großes Trinkvergnügen. Wer es mondäner mag, greift zu den Super Tuscans - Spitzenweine mit Format.

Weinberg in der Toskana

Weinberge in der Toskana bei Sonnenaufgang

Chianti – Sangiovese in Schönstform

Sangiovese ist „die“ rote Rebsorte der Toskana. Darin liegt die Kompetenz der Region und den Maßstab setzen die Weine aus dem Kerngebiet, dem südlich von Florenz gelegenen Chianti Classico. Früher wurde dem einfachen Chianti ein hoher Anteil weißer Trauben zugesetzt. In den heutigen Qualitäten wird darauf fast komplett verzichtet, oft wird ein kleiner Anteil der regionalen Sorte Canaiolo oder aber auch Merlot zur Abrundung zugegeben. Ein typischer Chianti hat einen verführerischen Duft nach roten Beeren, Kirschfrucht und ist am Gaumen ausgewogen mit weichen Gerbstoffen. Markant in den Chianti-Weinen ist eine betonte Säure, die dem Rotwein eine unverkennbare Frische verleiht. Die Weine haben durchaus Lagerpotential, können aber auch schon jung genossen werden. Es muss nicht immer ein Chianti Classico sein, achten Sie beim Kauf auch auf die Unterregionen, zum Beispiel aus dem Colli Senesi oder aus dem nordöstlich von Florenz gelegenen Rufina-Gebiet.

Brunello di Montalcino – Aristokrat der Toskana

Die Laufbahn des Brunellos begann Ende des 19. Jahrunderts als Biondi Santi einen besonders robusten und vitalen Klon des Sangiovese selektionierte und reinsortig anpflanzte. Die Brunellos sind deutlich kräftiger, maskuliner und gerbstoffbetonter als ein Chianti. Sie lagern mindestens zwei Jahre im Holzfaß und oft weitere zwei Jahre in der Flasche, bevor sie auf den Markt kommen. Erst nach ein paar Jahren der Reife entfalten sie sich am schönsten. Gute Brunellos brauchen sich hinter Top Bordeauxs nicht zu verstecken. Es ist eine reine Freude, einen guten Brunello zu entsprechend gehaltvollem Essen zu genießen und bei jedem Schluck neue Nuancen in Bukett und Geschmack zu entdecken. Einen guten Brunello werden Sie im Ladenregal nicht unter 20 Euro finden. Der kleine Bruder des Brunellos und auch die günstigere Variante ist der Rosso di Montalcino. Er durchläuft eine kürzere Lagerzeit und ist im Stil einfacher.

Weintrauben in der Toskana

Reife Weintrauben an Rebe

Vino Nobile di Montepulciano – vekannter Klassiker

Montepulciano ist eine kleine Hügelstadt in der südöstlichen Toskana. Vino Nobile - König aller Weine, diesen Namen erhielt der Wein im 17. Jahrhundert von dem Dichter Francesco Redi. Diesen Ruf hat der Wein sich aber erst verdienen müssen, erste Qualitäten waren vom heutigen Niveau weit entfernt. Prugnolo Gentile heißt hier die Spielart des Sangioveses, er macht den Hauptanteil im Vino Nobile aus. Er ist mehr vergleichbar mit einem Brunello als mit einem Chianti. Er kann unglaublich kraftvoll sein und zeichnet sich ebenfalls durch ein längeres Reifepotential aus. Auch hier heißt der kleine Bruder Rosso di Montepulciano.

Die Super-Toskaner – modern und mit internationaler Besetzung

In den 70ziger Jahren standen nicht nur die top Bordeaux-Weine im internationalen Rampenlicht, sondern es rückten durch spektakuläre Blindverkostungen auch kalifornische Superweine nach. Die Winzer der Toskana konnten diese Entwicklung nicht einfach an sich vorbeiziehen lassen. Sie begannen neben Sangiovese auch internationale Rebsorten anzupflanzen, darunter Cabernet Sauvignon, Merlot, Syrah und Cabernet Franc. Der erste Super Toskaner war der Sassicaia von Incisa della Rocchetta, dicht gefolgt von Antinoris Tignanello und später auch Ornellaia.

Ein geradezu perfektes Terroir erschloß sich für diese Weine in der heißen Maremma, direkt an der Küste gelegen. Abkühlung erfährt diese urige Region durch eine frische Brise direkt vom Meer. Die Super-Weine sind allerdings nicht nur aus den internationalen Sorten. Sehr schöne Vertreter haben auch einen Anteil an Sangiovese. Sicher ist, dass die Weine keine zarten Tröpfchen sind. Wuchtig mit geballter Frucht und kräftigen Tanninen sind sie nichts für Einsteiger. Aber schon bei den Einkaufspreisen zeigt sich, dass diese Weine nicht unbedingt für den alltäglichen Genuss gedacht sind. Zu den Festtagen darf es dann aber schon einmal ein besonderes Tröpfchen aus der Reihe der Super Toskaner sein…

Weitere Vertreter aus der Toskana

Nun sollte man nicht nur über die Starbesetzung der Weine aus der Toskana sprechen. Für den leichten und erfrischenden Weingenuss gibt es den Vernaccia di San Gimignano. Er sollte jung und ohne großen Anspruch konsumiert werden. Sehr schöne, auch schon gehaltvollere Weißweine werden aus der Vermentino-Traube gekeltert. Aber auch aus der roten Ecke gibt es noch ein paar erwähnenswerte Vertreter, zum Bespiel den Morellino di Scansano, wieder aus einem eigenen Sangiovese-Klon. Die Morellinos sind herrlich saftig mit einer betörenden Kirschfrucht, unbedingt probieren. Nordöstlich von Florenz liegt der kleine Bereich Carmignano, ein griffiger und kerniger Rotwein aus Sangiovese mit Cabernet-Anteil.

Die Aufzählung erwähnenswerter Weine aus der Toskana könnte noch weiter fortgesetzt werden. Deutlich wird dadurch, wie vielseitig die Weinlandschaft der Region ist. Einzigartig ist der Facettenreichtum der Sangiovese-Traube. Die Erzeuger aus der Toskana haben es verstanden, sich auf ihre Kernkompetenz zu konzentrieren und nicht zu viel herumzuexperimentieren. Nicht ohne Grund steht die Toskana für absolute Spitzenweine. Auch wenn andere Regionen Italiens, wie Apulien und Sizilien, mit günstigen Weinen den Markt beglücken, ist die Weinlandschaft Toskana das Aushängeschild Italiens und weitestgehend ein Garant für Qualität.

Welcher ist dein Lieblingstoskaner und wo hast du ihn getrunken? Wir sind auf deine Erlebnisse und Empfehlungen gespannt!

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