VINOA probiert: Rheinhessen zur Weihnachtsfeier

VINOA Wein Magazin // 11.01.2017 // VINOA probiert: Rheinhessen zur Weihnachtsfeier

In der Weihnachtszeit haben wir im VINOA Magazin jede Menge Weinempfehlungen ausgesprochen, Kombinationen zum Weihnachtsmenü verkündet und die prickelndsten Tropfen für die Neujahrsnacht vorgestellt. Deshalb wurde es auch höchste Zeit für das VINOA-Team, endlich wieder selbst ein paar neue Weine zu verkosten. Auf unserer Weihnachtsfeier war es dann auch endlich soweit: VINOA-Gründer Daniel und Helge präsentierten uns 11 erstklassige Weine von vier renommierten Weingütern. Das verbindende Thema der Verkostung: Das Weinanbaugebiet Rheinhessen.

Weingut Beck – Hedesheimer Hof

Eröffnet wurde unser Tasting mit 3 Weinen vom Weingut Beck - Hedesheimer Hof. Der Winzer Michael Beck verarbeitet in seinem seit drei Jahrhunderten bestehenden Familienbetrieb überwiegend weiße Trauben. Den größten Teil machen Riesling und Weißburgunder aus, die das besondere Terroir aus Löss-Böden und Kalkmergel sehr gut im Wein widerspiegeln können. Seine Bemühungen um nachhaltiges Wirtschaften und das Festhalten an Traditionen haben dem Beck'schen Weingut im Jahr 2015 ganze drei Trauben im GaultMillau eingebracht.

Den fulminaten Auftakt der Verkostung bildet der "Stadecken-Elsheimer Terra Fusca3 Riesling". Frisch-fruchtige Aromen von Pfirsich und Apfel, sowie ein feines Säurespiel entlocken markante Kommentare: "Eigentlich mag ich überhaupt keinen Riesling, aber der hier schmeckt richtig gut!". Der "Stadecker Weissburgunder" hingegen wusste dem Riesling nicht viel entgegenzusetzen. Durchaus ein solider, harmonischer Weißwein, fehlte ihm doch das gewisse Etwas. Das wiederum macht der "Stadecker Grauburgunder" deutlich besser: Dezent nussige Aromen von Mandeln und Haselnüssen, aber auch eine angenehme Beerensäure bilden einen tollen Weißwein.

Weingut Joachim Flick

Nach einer kurzen Pause für unsere Geschmackszellen kommen drei Weine vom Weingut Joachim Flick auf den Tisch. In Wicker im Rheingau produziert Diplom-Oenologe Reiner Flick in nachhaltiger Landwirtschaft und mit viel modernem Wissen hochwertige Weine. Im Familienbetrieb wird schon seit Generationen Weinbau betrieben, aber die eigenständige Weinproduktion findet erst seit den 70er Jahren statt.

Bei Riesling, das muss man ganz offen sagen, scheiden sich die Geister. Und je besser der Riesling ist, desto stärker gehen die Meinungen auseinander. Unsere Kommentare beim Verkosten des "Gau-Odernheimer Rieslings" reichten von: "erdig wie ein feuchtes Grab" bis zu "himmlische Fruchtigkeit". Und damit zeigt sich doch, was so ein Riesling alles kann. Er bringt die mineralischen Noten des Terroirs genauso zum Vorschein, wie ein exotisch-elegantes Fruchtaroma. Ob man das nun mag ist allerdings eine sehr Subjektive Sache. Im Gegensatz zum Riesling waren wir uns beim Silvaner "Siefersheimer Goldenes Horn" hingegen völlig einig: Dieser Wein ist nicht so komplex und auch deshalb sperrig, wie der Riesling, sondern absolut trinkfreudig. Als Dritter im Bunde zeigt der "Berg und Tal", was Reiner Flick im Bereich Rotwein zu bieten hat. Es treffen rote Beeren auf feinwürzige Waldnoten. Wir finden den Wein lange nicht so komplex, wie Rotweine aus Südeuropa, aber im deutschen Vergleich kann er sehr gut mithalten. Überzeugen kann uns das Weingut Flick vor allem mit seinen Weißweinen.

Weingut Thörle 

Durch die letzte Runde auf den Geschmack gekommen, wollen wir gleich noch mehr Rotwein probieren. Gut, dass das Weingut Thörle darin besondere Kompetenzen besitzt. Neben den klassischen, rheinhessischen Rebsorten Riesling und Silvaner bauen Christoph und Johannes Thörle auf kalksteinreichen Böden außerdem verschiedene rote Burgundersorten an.

Unsere grundlegende Haltung zu deutschen Rotweinen ist bisher nicht sonderlich optimistisch. Die Rotweincuvée "Noir" wird deshalb auch besonders kritisch verkostet. Und wieder aller Erwartung schmeckt er fast dem gesamten VINOA-Team überaus gut. Aromen von Kirschen, Tabak und Schokolade, sowie ein leichter rauchiger Einschlag vom Ausbau im Holzfass beeindrucken uns tief. Im harten Kontrast dazu steht dann wiederum der "Saulheimer Frühburgunder Kalkstein 2015". Seine sehr leichten, flüchtigen Noten entlocken unseren Rotweinfanatikern nur ein frustriertes: "einfach zu wässrig das blasse Tröpfchen". Eine absolute Kehrtwende schafft dann wiederum der von uns einstimmig mit "ausgezeichnet" betitelte "Probstey Silvaner". Dieser wirklich elegante und reife Weißwein entlockt uns viele "Ahhs" und "Ohhs". Dementsprechend wurden im weiteren Verlauf des Abends auch sämtliche Reserveflaschen geleert.

Weingut Dreissigacker

Um sich unserer vollen Aufmerksamkeit über das ganze Tasting hinweg sicher zu sein, haben Daniel und Helge gleich zu Beginn angekündigt, die edelsten Weine erst ganz zum Schluss zu präsentieren. Jochen Dreissigacker zählt zu den aktuellen Stars der jungen, deutschen Weinszene. Auf 32 Hektar produziert er in biologischem Anbau ausgezeichnete Rieslinge, Grau- und Weißburgunder.

Eine kleine Verwechlsung bringt uns bei der Verkostung der Weine vom Weingut Dreissigacker in eine interessante Situation. Der zuerst verkostete "Einzigacker Weißburgunder" wird uns von Daniel und Helge als der günstigere Wein präsentiert, weiß dann aber das gesamte Team von sich zu überzeugen. Wir überschlagen uns geradezu vor Lobpreisungen. Reife Südfrüchte, Quitte und viel Komplexität machen diesen Wein wirklich zu einem fabelhaften Genuss. Der im Anschluss servierte, "trockener Grauburgunder" schmeckt uns ebenfalls ganz gut. Reife Marillenaromen und eine ausgewogene Frische ergeben einen feinen und recht trinkfreudigen Wein. Das gewisse Etwas, das den verkündeten Preis von etwa 35 € rechtfertigt, fehlt uns aber. Deshalb sind wir uns auch einig als wir entscheiden: "Der günstigere Wein ist der bessere und das Preis-Leistungs-Verhältnis ist völlig verdreht." Schade nur, dass leider die Preisangaben vertauscht wurden!

Die Moral von der Geschichte: Das VINOA-Team ist absolut in der Lage auch unter verwirrenden Bedingungen den hochwertigeren Wein heraus zu schmecken – und Qualität hat eben doch ihren Preis.

Bei unsere Verkostung rheinhessischen Weines haben wir uns köstlich vergnügt.
Das VINOA-Team hat sich bei der Verkostung von der untadeligen Qualität rheinhessischen Weines überzeugt.

Rheinhessen-Verkostung: Die Favoriten des Abends

Den besten Wein des Abends zu küren fällt uns nicht leicht. Die Geschmäcker im VINOA-Team sind sehr verschieden und eine ausgeprägte Subjektivität ist im Spiel. Deshalb ergibt es am meisten Sinn, noch einmal die Weine zu betonen, die uns aus verschiedenen Gründen beeindruckt haben. Der "Gau-Odernheimer Riesling" vom Weingut Flick hat sogar die Nicht-Rieslingfans glücklich gemacht. Der Probstey Silvaner von Thörle hat am ehesten den Titel "Wein des Abends" verdient, weil alle Flaschen ausgetrunken wurden. Und der "Weißburgunder Einzigacker" vom Weingut Dreissigacker wurde in unserer unfreiwilligen "Blindverkostung" einstimmig als wirklich fantastischer Weißwein bewertet.

Entdecke jetzt die Favoriten unserer Verkostung:

Weingut Flick - Gau-Odernheimer Riesling Weingut Thörle - Probstey Silvaner Weingut Dreissigacker - Einzigacker Weissburgunder

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Bildquellen:

Titelbild: flickr.com Wolfgang Staudt CC by 2.0

Bild im Text: flickr.com Pedro Ribeiro Simões CC by 2.0

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