Weinanbau in Thailand: tropische Weine

VINOA Wein Magazin // 12.04.2016 // Weinanbau in Thailand: tropische Weine

In Thailand ticken die Uhren anders. Zwar beginnt auch dort das neue Jahr offiziell am 1. Januar. Doch Songkran, das traditionelle Neujahrsfest, wird erst Mitte April gefeiert. Während laut des thailändischen Mondkalenders das neue Jahr beginnt, ist die Weinlese in dem Königreich gerade beendet.

Songkran „Wasserfest“ im April

Vom 13. bis 15. April herrscht in Thailand Jubel, Trubel, Heiterkeit. In vielen Kulturen wird das neue Jahr mit einem Feuerwerk begrüßt. Beim thailändischen Neujahrsfest hingegen spielt das Element Wasser die zentrale Rolle, weshalb Songkran auch als „Wasserfest“ bekannt ist. Drei Tage dauern die Feierlichkeiten, bei denen Einheimische und Touristen sich gegenseitig exzessiv mit Wasser bespritzen.

Am Vorabend des ersten Songkran-Tages, also am 12. April, reinigen alle Menschen ihre Häuser und vernichten all ihren Unrat. Dieser Frühjahrsputz rührt aus dem Glauben, dass aller Schmutz und Abfall aus dem alten Jahr dem Besitzer im neuen Jahr nur Unglück bringen würde.

Am Morgen des ersten Festtages gehen Jung und Alt in ihren neuen Kleidern zum Tempel. Dort ist ein langer Tisch aufgestellt, auf dem die Mönche zu beiden Seiten ihre Opferschalen aufgestellt haben. In die Schalen legen die Menschen Reis, Früchte und andere Speisen. Nachmittags am gleichen Tag beginnt die Bade-Zeremonie, bei der die Buddha-Figuren und auch der Vorsteher des Klosters mit Wasser übergossen werden. Obwohl rituell angehaucht, ist dies nicht mehr als eine Reinigung zum neuen Jahr. Anschließend beginnt das bekannte "Wasserfestival", bei dem jeder jedem diese Art Waschung zuteilwerden lässt. Vor allem in Großstädten entwickelt sich das Fest zu einer regelrechten Wasserschlacht, bei der sich spontan sogar kleine Straßenumzüge entwickeln können.

Arbeiter der Siam Winery in den Hua Hin Hills

Arbeiter der Siam Winery in den Hua Hin Hills

Weinanbau in Thailand: Balanceakt in den Tropen

Genau das Thema Wasser macht jedoch den einheimischen Winzern zu schaffen. Die Klimabedingungen in Thailand ermöglichen zwar 2-3 Vegetationsperioden und Ernten im Jahr, je nach Rebsorte. Doch die hohen Temperaturen, die geringe Tageslichtdauer und das Fehlen einer natürlichen Pause, der Winterruhe, sind für die Entwicklung der Reben nicht gerade optimal. Gleichzeitig fallen in der Zeit der Monsunregen von April bis Oktober – und jetzt sind wir wieder beim Stichwort Wasser – bis zu 2.100 mm Niederschlag. Die Luftfeuchtigkeit und die Wärme machen die Reben zudem anfällig für Pilzkrankheiten.

Lange Zeit bezweifelte die Fachwelt deshalb, dass in tropischen Regionen, außerhalb des sog. „Rebengürtels“, überhaupt Qualitätsweine produziert werden könnten. Anfänglich war die Qualität der Thai-Weine auch nicht dazu angetan, das Gegenteil zu beweisen. Die ersten Weine wurden für den lokalen Markt hergestellt und waren vor allem eines: zuckersüß. Doch vor rund zwei Jahrzehnten begannen einige Pioniere, sich ernsthaft mit dem Weinbau zu beschäftigen. Inzwischen gehört Thailand zu den bedeutendsten Erzeugerländern Asiens. Auch der Begriff der „New Latitude Wines“ wurde dort geprägt. Gemeint sind damit Weine, die außerhalb der für den Weinbau typischen Breitengrade produziert werden.

Heute gibt es in Thailand mehr als ein halbes Dutzend Weingüter, von denen sich die meisten in der Thai Wine Association zusammengeschlossen haben. Das größte und bekannteste Weingut ist die Siam Winery mit über 1.000 Beschäftigten. Gegründet wurde sie von Chalerm Yoovidhya, dessen Vision es ist, eine thailändische Weinkultur zu entwickeln. Dass dieses Vorhaben mit gehörigen Investitionen verbunden ist, stellt für den Weinliebhaber kein Problem dar – er gehört zu den Eigentümern des Getränke-Imperiums Red Bull.

Der Weinberg der Siam Winery liegt in den malerischen Hua Hin Hills, auf dem Gelände eines ehemaligen Elefantengeheges. Auch der thailändische König weiß die Gegend zu schätzen. Er unterhält seine Sommerresidenz ganz in der Nähe des Weinguts.

Shiraz-Anlage im FebruarShiraz-Anlage: Entlaubung der Traubenzone im Februar

Geisenheimer Experten tüfteln am tropischen Weinbau

Kellermeisterin ist die Krefelder Winzerin Katharina Puff. Sie hat an der renommierten Hochschule in Geisenheim Weinbau studiert und zunächst in Spanien, Italien und Neuseeland gearbeitet, bevor sie 2007 nach Thailand kam. Bei der Siam Winery verantwortet sie heute als Produktions-Direktorin auch die Produktreihe Monsoon Valley Wines.

Unterstützt wird sie von einem weiteren „Geisenheimer“. Wolfgang Schäfer hat bereits 1978 die schwimmenden Weingärten im Flussdelta von Chao Phraya, südlich von Bangkok, besucht und dabei seine Leidenschaft für den tropischen Weinbau entdeckt. Mit seiner Firma Tropical Viticulture Consultants (TVC) berät er seitdem Weingüter in Tropenregionen rund um den Globus. Seit 2005 stehen er und sein Partner Peter Höhnen auch der Siam Winery als Experten mit Rat und Tat zur Seite. Gemeinsam experimentieren Puff und das TVC-Team seit vielen Jahren mit pilzwiderstandsfähigen Rebsorten, sogenannten PiWis.

Mit Erfolg: vergangenen Monat konnten in den Hua Hin Hills bereits vollreife Trauben von 2 ha Anbaufläche der PiWi-Rebsorte Rondo geerntet werden. Diese Rotweinsorte wird auch in anderen klimatisch anspruchsvollen Regionen angebaut, z. B. in Irland. Ihr Vorteil: die hohe Resistenz gegen Pilzbefall. Der Einsatz von Fungiziden kann dadurch über die Hälfte reduziert werden, was Natur und Verbrauchern gleichermaßen zu Gute kommt.

Klassische Sorten, die in den Rebgärten von Hua Hin angebaut werden, sind u. a. Shiraz und Colombard, meine beiden Favoriten, die auch in Fachkreisen große Beachtung finden. So mangelt es nicht an internationalen Auszeichnungen. Und Weinkenner wie Robert Parker und Stuart Pigott sind voll des Lobes über die tropischen Tropfen aus Thailand.

In diesem Sinne: „Chai-Yo!“ (Prost auf Thailändisch)

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Bildquellen:
Alle Bildrechte liegen bei der Siam Winery.

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